Altes Rathaus

Künsterlin Zoja Elchlepp stellt Ölgemälde und Tapisserien in Denzlingen aus

Markus Zimmermann

Von Markus Zimmermann

Do, 12. September 2019 um 12:50 Uhr

Denzlingen

Ihre Bilder haben sich erkennbar verändert: Zoja Elchlepp malt mit immer wilder werdenden Farben. Bis zum 21. September ist ihre Ausstellung "Neue Arbeiten" im Alten Rathaus in Denzlingen zu sehen.

"Neue Arbeiten" heißt eine Ausstellung mit Ölgemälden und Tapisserien von Zoja Elchlepp, die bis zum 21. September in der Galerie im Alten Rathaus in Denzlingen zu sehen ist. Das Wort Neu bezieht sich dabei nicht nur auf den Zeitpunkt, an dem die Werke entstanden sind. Wer die 66-jährige Künstlerin kennt, die seit gut vier Jahrzehnten in Denzlingen zuhause ist, wird auch eine deutliche Veränderung in ihren Bildern erkennen. Sie sagt: "Je älter ich werde, desto wilder werden meine Farben".

Künstlerin will dem Betrachter Lebensfreude vermitteln

Doch nicht nur mit neuer Farbigkeit überrascht die 1953 in Prag geborene Künstlerin. Es ist eine Farbigkeit, die für sie Ausdruck von Lebensfreude ist, die sie mit ihren Werken gerne auch den Betrachtern vermitteln möchte. Besonders auffallend sind dabei ihre Tapisserien. Bereits ihre Mutter beherrschte die Fertigkeit der Tapisserie. "Schon als Kinder nahm sie uns mit in ihr Atelier", erzählt Elchlepp. Als 18-Jährige habe sie dann ihre erste, eigene Auftragsarbeit, mehrere kleinformatige Bilder für Räume auf einem Schiff gestaltet. Ungewöhnlich für die Künstlerin, die heute betont, mit kleinen Formaten überhaupt nicht klar zu kommen, was mehrere, teils deckenhohe, wandfüllende Tapisserien in der aktuellen Ausstellung unterstreichen.

"Die Tapisserie ist meine Leidenschaft", bestätigt Elchlepp mit Worten, was schon ihre Werke zum Ausdruck bringen. Dabei arbeitet sie in der eher seltenen Technik des Art Protis, die in Brünn, wo sie bis vor kurzem noch ein Atelier hatte, entwickelt wurde. Dabei wird nicht mit gesponnener Wolle gewebt, sondern mit gekämmter, eingefärbter Wolle, in Flächen ausgelegt, gedämpft, verfilzt und anschließend mit einem haarfeinen Seidenfaden "durchgesteppt".

"Die Auftraggeber haben sehr klare Vorstellungen, denen ich entsprechen muss. " Zoja Elchlepp
Begeistert ist die Künstlerin dabei von der "weichen, warmen Wolle" als Material, zugleich aber auch von der "unglaublichen Zahl an Farben", die sich ihr bieten. Sie habe jede Farbe ihn unzähligen Tönen, erklärt sie. Daraus Bilder machen zu können, sei für sie "ein Traum".

Erzählt sie von ihrem Arbeiten, hat das dann weniger mit Träumen zu tun. Jedem Werk liege ein klares Konzept zugrunde, einfach drauflos zu schaffen sei ihr, insbesondere auch, weil sie sehr gegenständlich arbeite, nicht möglich. "Ich bin nicht der spontane Typ." Das liegt zum einen an ihr selbst. Zugleich sind die meisten der Tapisserien Auftragsarbeiten. "Die Auftraggeber haben dabei sehr klare Vorstellungen, denen ich entsprechen muss", erklärt Zoja Elchlepp.

Werke werden in der Darstellung deutlich mutiger

Genau diese Rücksicht auf andere, diese Vorsicht, scheint sie nun zunehmend aufzugeben, denn ihre Werke werden sowohl in ihrer Farbigkeit, als auch in der Darstellung deutlich mutiger. Dass sie dies zulässt, erklärt sie auch damit, dass Art Protis eine aussterbende Kunst ist. Das Atelier in Brünn, das sie lange Jahre auch von Denzlingen aus gefördert und gestützt hat, musste aufgegeben werden. Jetzt arbeitet sie in ihrem Privathaus, wo sie noch Wolle für "fünf bis sechs große Werke" hat. Danach sei sie fertig. Die Ausstellung in Denzlingen könne somit durchaus zu Recht nicht nur mit "neue", sondern auch mit "finale Arbeiten" betitelt werden. "Die neue Farbigkeit ist auch Ausdruck des emotionalen Abschlusses", erklärt die Künstlerin.

Es ist ein Abschluss, der für ihre Ölgemälde nicht gilt. Sie sind immer noch eher dezent und detailliert naturalistisch. "Malen ist für mich Erholung", betont Elchlepp. Dass sie sich dabei der Ölfarben bedient, ist eine bewusste Entscheidung. "Mit Acryl-Farben kann ich mich nicht anfreunden, die sind mir zu plakativ", erklärt sie. Geblieben sind ihr bei aller Veränderung ihre Motive. Über "Natur und Landschaften, hauptsächlich des Schwarzwaldes" fühlt sie sich der neuen Heimat, "die einmalig schön ist", verbunden.
"Neue Arbeiten" – Tapisserien und Ölgemälde von Zoja Elchlepp, Galerie im Alten Rathaus, Denzlingen, bis 21. September samstags und sonntags von 11 bis 16 Uhr.

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