Die Trauer um das tote Kind verjährt nicht

Juliana Eiland-Jung

Von Juliana Eiland-Jung

Mo, 29. April 2019

Lahr

Ausstellung im Lahrer Klinikum und Gedenkgottesdienst.

LAHR (ej). Über Trauer wird in der Gesellschaft in den vergangenen Jahren wieder mehr gesprochen. Doch wenn Kinder sterben, fehlen oft die Worte. Viele Menschen tragen die Trauer um ein früh verstorbenes Kind, über eine Fehlgeburt oder die sogenannte "stille Geburt" ihr Leben lang mit sich. Vor allem um den Muttertag denken viele Frauen an ihre Verlusterfahrung. Eine Ausstellung widmet sich ab dem 6. Mai diesem Thema.

Seit einigen Jahren veranstaltet deshalb das Netzwerk Trauer am Freitag vor Muttertag in Lahr einen Gedenkgottesdienst für verstorbene Kinder. In diesem Jahr wird außerdem vom 6. bis 19. Mai in der Kapelle im Klinikum Lahr die Wanderausstellung "Tod am Anfang des Lebens" gezeigt. Die Ausstellung ermöglicht trauernden Eltern, Angehörigen, Freunden der Eltern und dem medizinischen Personal, sich einem Thema zu stellen, das sogar Betroffene zunächst häufig zu verdrängen versuchen.

In einem Pressegespräch erläuterten Mitglieder des Netzwerks Trauer, warum sie dieses schwierige Thema öffentlich aufgreifen. "Jede zweite Schwangerschaft endet in den ersten drei Monaten, und etwa 3500 Kinder werden jährlich in Deutschland still geboren oder sterben in den ersten sieben Lebenstagen", heißt es im Informationsflyer zur Ausstellung. Auch die Krankenhausseelsorger Dorothee Moldenhauer und Joachim Holub wurden damit schon konfrontiert. Ulrike Graß gründete 1994 die Selbsthilfegruppe Sternschnuppe. In ihr treffen sich Eltern, die ein Kind durch Fehlgeburt, Totgeburt oder kurz nach der Geburt verloren haben. Und manchmal kommen sie erst, wenn das Ereignis schon länger zurückliegt. Sie suchen Austausch mit anderen Betroffenen, und auch einen Ort, an dem sie trauern können.

Diesen Ort gibt es in Lahr auf dem Bergfriedhof. Auf einem anonymen Gräberfeld werden, wenn die Eltern dies wünschen, Fehl- und Frühgeburten bestattet. Dabei geht das Angebot über die gesetzlichen Vorgaben hinaus, denn auch Frühgeburten mit unter 500 Gramm Geburtsgewicht können dort bestattet werden. "Früher wurden solche Kinder als ’ethischer Abfall’ entsorgt", erläutert Andreas Wilhelm, Klinikseelsorger am Herzzentrum Lahr.

Viermal im Jahr finden die Bestattungen statt

An den viermal im Jahr stattfindenden Bestattungen nehmen oft nur wenige Menschen teil, berichtet Joachim Holub, doch die vielen Blumen, Kuscheltiere und Kleinspielzeuge, die hinterlegt werden, obwohl das eigentlich gar nicht erlaubt ist, zeigten, dass Angehörige durchaus das Bedürfnis nach einem Trauerort haben. Rosi Kienzler vom Trauercafé Friesenheim erzählt, dass bei alten Frauen oft die Erinnerung an Fehl- und Frühgeburten wieder aufbricht. Weil andere Kinder zu versorgen waren, gab es oft keine Zeit zu trauern. Doch Trauer verjährt nicht, und "die Würde ist gewichtslos".

Ausstellung "Tod am Anfang des Lebens": 6. bis 19. Mai, Kapelle im Ortenau-Klinikum Lahr, ganztägig geöffnet außer zu den Gottesdienstzeiten. Zur Eröffnung am 6. Mai, 18 Uhr gibt es einen Büchertisch und musikalische Umrahmung (Pius Weschle, Bassklarinette); Gedenkgottesdienst für verstorbene Kinder: 10. Mai, 18.30 Uhr, Klinikkapelle.