Gepflegter Jazz mit Lust gespielt

Ulrike Le Bras

Von Ulrike Le Bras

Mo, 08. Juli 2019

Lahr

Oncues im Lahrer Stiftskeller.

LAHR. Bei den derzeitigen Temperaturen angenehm: 20 Freunde der gepflegten Jazzmusik sind am Freitagabend in die Tiefen des Lahrer Stiftsschaffnei-Kellers hinabgestiegen. Mit luftigem Abstand zu den Sitznachbarn, auf dem Bistro-Tisch ein kühles Getränk und dann einfach nur lauschen. Die Musiker der Gruppe Oncues hatten es allerdings weniger gemütlich. Dass unterm Bühnenlicht keiner der Instrumentalisten durch sein Musizieren ins Schwitzen geriet, spricht dafür, dass hier routinierte Bühnenprofis am Werk waren.

Fünf Jahre spielen Claude Baehr (Saxofone), Jürgen Böhly (Trompete, Flügelhorn), Lutz Hovestadt (E-Bässe), Rolf Joachim (Drums), Martin Müller (Gitarren) und Patricia Schmid (Gesang) und Jens Wolk (Hammond, Korg, Leslie) schon zusammen und haben gezeigt, dass das mit dem gegenseitigen Zeichengeben ("On cue" ist der englische Begriff für "Einsatz") beim Spielen bestens klappt: per Augenzwinkern, Fingerzeig oder Körperdrehung wurden die Soli angekündigt. Und davon gab es in diesem gut durchmischten Repertoire von Bossa bis Bigbandsound jede Menge: angefangen beim ersten Stück, bei dem Bandleader Joachim gleich richtig knackig in den Latino-Rhythmus hineingepoltert ist, oder im zweiten Set, bei dem er dem "Afro Blue" von John Coltrane ein geheimnisvolles Intro verpasst hat. In funkigen Ton-Schlenkern über das Alsace Bossu gekurvt sind die beiden Bläser im Stück "Strasbourg-St. Denis" von Roy Hargrove, teils als Solisten, teils als harmonisch gemeinsam cruisende Copiloten. Zusammen mit dem E-Kontrabass von Hovestadt und Müllers mit Hall-Effekten schön in den Raum hinein strahlender Gitarre wurde daraus eines der peppigen Stücke dieses Abends. Als Beispiel für die melancholischeren Töne sei hier der Standard "Fly Me To The Moon" genannt, bei dem Vokalistin Patricia Schmid den feminin-weichen Touch ins Spiel brachte. Um ihn gegen Ende des Konzerts weiter auszubauen im Song "Have You Met Miss Jones". In dem Stück hat Pianist Wolk alle Register gezogen und an der Hammond-Orgel den Rotations-Lautsprecher namens Leslie mit Witz und Spielfreude zum Einsatz gebracht. Gepflegter Jazz mit Lust und Laune gespielt.