Plattenrelease

Lahrer Liedermacher als nachdenklicher Punk, der Wasser trinkt

Emma Nentwig

Von Emma Nentwig

Di, 28. Mai 2019 um 17:21 Uhr

Lahr

Attila Reißmann hat mit seiner Band im Stiftsschaffneikeller Station gemacht, um sein neues Album "Dramadies" vorzustellen. Unter anderem besang er den Lahrer Winter und Zugfahrten.

Eigentlich ist der Musiker Attila Reißmann eher als Sänger und Frontmann der Punkbands Confused und Heiße Projektile bekannt. Ab und an widmet sich der Lahrer aber auch akustischen, deutschsprachigen Soloprojekten. So ist "Dramadies" sein zweites Soloalbum in diesem Genre. Allerdings ist das Album trotzdem etwas Besonderes: Es ist das erste in Reißmanns langjähriger Karriere als Musiker, das es tatsächlich auf Vinyl geschafft hat. Somit kann sich der Abend tatsächlich als Plattenrelease bezeichnen lassen.

Charmante Ansagen, die das Publikum gewinnen

Und so erwartete den Zuschauer am Samstagabend die gemütliche Atmosphäre eines bestuhlter Stiftsschaffneikellers, in dessen Stuhlreihen sich der ein oder andere Tisch mit Kerzen darauf befand. Mit melancholischer Lagerfeuermusik, charmanten Ansagen und der ein oder anderen Anekdote schaffte es Reißmann, das Publikum, das durchmischter kaum sein konnte, für sich zu gewinnen. Unterstützt wurde der Gitarrist in klassischer Besetzung in Person von Michael Pretsch am Bass, Patrick Lesser am Keyboard und Bernd Schüssele am Schlagzeug.

So konnten die rund 70 Zuhörerinnen und Zuhörer am Samstag einen Abend mit tiefsinniger, deutschsprachigen Popmusik genießen, wie sie heutzutage nicht mehr ganz so oft zu finden ist. Zwischen Liebesliedern und der Suche nach sich selbst schafften die Musiker es an diesem Abend, auf dem schmalen Grat zwischen Kitsch und Spießigkeit zu gehen. Attila Reißmann war in löchrigen Jeans auf der Bühne zu sehen und Wasser aus einem Glas, während sich der Rest der Band auf Bier zurückgriff.

Alltag aber nicht spießig

Als ein Lied dann die Frage aufwarf, ob das nun Kunst oder Punkrock sei, antwortete das Publikum recht einstimmig mit Punkrock. Und so besang Attila Reißmann neben dem Winter in Lahr, Zugfahrten mit der Deutschen Bahn und der Relevanz von Subkultur das Aufräumen der WG am Tag nach der Party. Es scheint, als seien die deutschen Texte Reißmanns aus dem Alltag eines nachdenklichen Punks entsprungen, der versucht sich irgendwie mit der Welt zu arrangieren, ohne dabei spießig zu wirken.

Dass die Zuschauer, ob es nun der junge Punk oder die betagte Dame war, damit etwas anfangen konnten, zeigte sich, nachdem die Musiker von der Bühne gingen und es Applaus im Stehen gab.