Zwei Behutsame am Werk

Juliana Eiland-Jung

Von Juliana Eiland-Jung

Di, 21. Mai 2019

Lahr

Das Duo Imaginaire in Lahr.

LAHR. Im vergangenen Jahr war das Duo Imaginaire in der evangelischen Kirche in Meißenheim aufgetreten, am Samstagabend gastierten die beiden beim Lahrer Kulturkreis im Stiftsschaffneikeller. Die ungewöhnliche Kombination aus Harfe und Klarinette konnte mit einem romantischem Programm überzeugen.

Die beiden im Philharmonischen Orchester Hagen beheimateten Musiker Simone Seiler (Harfe) und John Corbett (Klarinette) sind international renommiert und bestens aufeinander eingespielt. Kleiner Wermutstropfen an diesem Abend war allerdings die fast zu konzentrierte Atmosphäre, die sich erst bei den beiden Zugaben (Frühlingstraum und Ständchen von Schubert) löste. Zuvor war der musikalische Perfektionismus des Duos ein wenig in Gefahr, die Emotionen zu verlieren. Dabei war das Programm mit Romanzen von Robert Schumann und Intermezzi von Johannes Brahms voller Gefühlsausdruck in dieser typisch romantischen Stimmung zwischen Melancholie und Leichtigkeit. Die Arrangements des Duo Imaginaire – übertragen aus Streichquartetten oder Klavierkompositionen – sorgten dafür, dass auch bei Vielgehörtem neue Aspekte in den Vordergrund rückten. So kommen die Anklänge an die Volksmusik in Schumanns Romanzen besonders gut zur Geltung, und in Brahms‘ "Wiegenlied meiner Schmerzen" mutiert die Harfe fast zur Laute, die Klarinette wird beinahe Stimme.

Zwei Musiker, die dem Ideal der Innerlichkeit frönen

Bei Schuberts "Arpeggione-Sonate" übernahm Simone Seiler an der Harfe die Rolle der Klavierbegleitung, während Corbett am selten zu hörenden Bassetthorn (einer Tenor-Klarinette) den Part der noch selteneren Arpeggione spielte, einer Mischung aus Gitarre und Cello. Das dreisätzige Werk basiert auf dem gleichen Motiv wie Schuberts Unvollendete und erlaubt dem Duo, sich in Stimmungen von heiter bis düster, von rhythmisch pointiert bis schwelgerisch auszudrücken.

Das Konzert bleibt vor allem durch die Behutsamkeit und Zurückgenommenheit der beiden Musiker im Gedächtnis. Schwebend gehaltene Pausen, verschlungenste, lange Melodiebögen, rhythmisch vertrackte Interaktion – das alles ohne Übertreibung, ohne Effekthascherei. Ein Konzert der leisen Töne, und eines, bei dem man durch Simone Seilers kleine Einführung in die Technik der Konzertharfe auch noch etwas lernen konnte.