Breisgau S-Bahn

Land wird keine anderen Züge für Elztalbahn liefern

Max Schuler

Von Max Schuler

Fr, 24. Juli 2020 um 19:17 Uhr

Waldkirch

Das Verkehrsministerium des Landes lehnt Forderungen aus der Region nach Zügen mit mehr Türen für die Elztalbahn ab. Pro Zug sind maximal vier Türen vorgesehen - das würde ausreichen.

Das Land erteilt der Forderung nach Zügen mit mehr Türen für die derzeit im Bau befindliche Elztalbahn eine Absage. Der Zweckverband Regio-Nahverkehr Freiburg (ZRF) hatte das Verkehrsministerium aufgefordert, auf der Strecke nicht die bereits bestellten Züge einzusetzen, da sie zu Verspätungen führen würden. "Die Anzahl der Türen in den Zügen auf der Elztalbahn ist richtig bemessen", kontert dagegen Ministerialdirektor Uwe Lahl.

ZRF befürchtet Verspätungen wegen zu wenig Türen

Derzeit wird die Elztalbahn elektrifiziert. Angepeilt ist, den Bahnverkehr durch die landeseigene SWEG gegen Ende des Jahres wieder aufzunehmen. Auch aufgrund der Erfahrungen, die auf der Höllental- und Breisacher Bahn gemacht wurden, forderte der ZRF das Land Anfang Juli auf, Züge mit mehr Türen einzusetzen. So sollen mögliche Zugausfälle und Verspätungen verhindert werden.

"Die Züge von Bombardier für die Elztalbahn sind bestellt und bezahlt und sollen zum Ende des Jahres kommen", sagt Lahl vom Verkehrsministerium auf BZ-Nachfrage. Er erteilt der Forderung damit eine Absage. Er schließt auch den Einsatz von anderen Zügen aus, die sich im Fuhrpark des Landes befinden.

Für die Elztalbahn sind Elektrozüge des Herstellers Bombardier vorgesehen vom Typ Talent 3. Im Elztal sollen laut dem Land primär vierteilige Fahrzeuge eingesetzt werden. Pro Wagenkasten besitzen diese eine Tür. Pro Fahrzeug sind das demzufolge vier Türen.

Im Münstertal ist der Zugtyp schon auf der Schiene

Die Bombardierzüge werden zum Beispiel auf den Bahnstrecken in der Region Stuttgart eingesetzt, heißt es aus dem Verkehrsministerium. Sie fahren aber auch seit Mitte Juni auf der Münstertalbahn. Ministerialdirektor Lahl geht nicht davon aus, dass es an Haltestellen im Elztal zu Stausituationen bei den Fahrgästen kommen werde, wie man es von S-Bahn-Systemen in Hamburg oder München kenne.

Das Fahrgastverhalten in der Breisgau-S-Bahn habe in den vergangenen Jahren gezeigt, dass die Fahrgäste über die Strecke an den kleinen Haltepunkten in kleiner Zahl einsteigen und fast alle bis zum Freiburger Hauptbahnhof durchfahren. "Dort entleert sich der Zug dann komplett, wofür auch eine ausreichende Haltezeit vorgesehen ist", so Lahl.

Mehr Türen würden Sitzplätze kosten

Bei mehr Türen in den Zügen müsste man entweder Sitzplätze einsparen oder die Zuglänge vergrößern, so die Argumentation des Landes. Längere Züge wären deutlich teurer. Es würden aber auch die vorgesehenen Bahnsteige gar nicht ausreichen. Der ZRF, der für den Bau der Infrastruktur auf der Strecke verantwortlich sei, habe schon heute mit enormen Kostensteigerungen für die Breisgau S-Bahn zu kämpfen, so Lahl. Ursprünglich waren für den ohnehin schon abgespeckten Ausbau 250 Millionen Euro veranschlagt. Jetzt steuern die Kosten für das Gesamtprojekt auf eine halbe Milliarde Euro zu. "Wir müssen daher in doppelter Weise auf das Geld schauen", so Lahl.

Als Gründe dafür, warum es auf der Höllentalbahn zu Verspätungen und Ausfällen kam, führt Lahl neben dem sehr ambitionierten Fahrplan des ZRF auch eine Richtlinie der Deutschen Bahn an. Demnach habe sich die Mindesthaltezeit von 36 auf 42 Sekunden erhöht, um die Pünktlichkeit deutschlandweit zu verbessern. "Diese vorgeschriebene Haltezeit müssen wir einhalten. Das führt zu Schwierigkeiten auf vielen Strecken in Baden-Württemberg, wird aber mittelfristig deutschlandweit zu einer Verbesserung der Pünktlichkeit führen", ist sich Lahl nach eigenen Worten sicher.
Streit um Gundelfingen

Der ZRF befürchtet, dass auf der Elztalbahn Stopps in Gundelfingen wegfallen. Da die Züge längere Standzeiten an den Bahnhalten im Elztal haben, werde es zeitlich eng, wenn sie auf die Schienen der Rheintalbahn auffahren. Dort mache der Fernverkehr Druck. Gundelfingen könnte von der Elztalbahn daher nur stündlich und nicht halbstündlich angefahren werden, dies habe die Deutsche Bahn dem ZRF mitgeteilt. Diese Befürchtung teilt der Ministerialdirektor des Verkehrsministeriums Uwe Lahl nicht: "Gundelfingen wird zum Fahrplanwechsel im Winter von den Zügen aus dem Elz- und Rheintal halbstündlich bedient." Beim ZRF bleibt man skeptisch. "Unsere Sorgen kann Herr Lahl mit der Aussage nicht ausräumen", sagt ZRF-Geschäftsführer Uwe Schade. Die Aussage zum Halbstundentakt sei richtig, was die Fahrtrichtung Freiburg anbelange. Doch Richtung Norden werde ein Zug in Richtung Rheintal fahren und einer Richtung Elztal abbiegen. Somit wäre ein Halbstundentakt Richtung Elztal von Gundelfingen aus nicht gewährleistet.

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