Unterstützung

Landratsamt des Kreises Breisgau-Hochschwarzwald sucht Berufsbetreuer

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Mo, 03. August 2020 um 13:43 Uhr

Freiburg

Rund 3450 Menschen im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald werden rechtlich betreut. Meist machen das Angehörige oder Ehrenamtliche – das Landratsamt sucht mehr Berufsbetreuter.

Das Spektrum ist breit: Suchtprobleme, psychische Erkrankungen oder Einschränkungen im Alter sind einige Gründe, warum Anfang 2020 rund 3450 Menschen im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald auf rechtliche Betreuung angewiesen waren. Für zwei Drittel sind Angehörige oder Ehrenamtliche im Einsatz, für die anderen gibt es derzeit 95 Berufsbetreuer. Doch sie sind zu wenige. Die Betreuungsbehörde des Landratsamts sucht Verstärkung.

Bewerberinnen und Berwerber sollten Einfühlungs- und Abgrenzungsvermögen mitbringen

Auch 2012 war die Betreuungsbehörde auf der Suche. Damals meldete sich Klaus Fournell. Er hatte davor 14 Jahre lang als Sozialarbeiter mit wohnungslosen Menschen in Freiburg gearbeitet, das passte gut. Denn die Betreuungsbehörde Breisgau-Hochschwarzwald achte darauf, dass Neueinsteiger bestimmte Voraussetzungen erfüllen, sagt Christian Schroff von der Betreuungsbehörde. Nötig sei eine passende Berufsausbildung oder ein geeignetes Studium. Dazu zählen Bereiche wie Sozialarbeit, Pädagogik, Psychologie, Medizin, Recht, Verwaltung oder Betriebswirtschaft. Ebenso wichtig seien Einfühlungs- und Abgrenzungsvermögen, Flexibilität und Durchsetzungskraft. Von den 95 Betreuern hätten 44 Sozialarbeit-Abschlüsse, 20 seien Anwälte, die anderen kämen unter anderem aus der Finanzverwaltung oder der Pflege. Auf Bundesebene kämpft Klaus Fournell, der sich im Bundesverband der Berufsbetreuerengagiert, bisher noch vergeblich für einheitliche Anforderungen an den Beruf.

Immer dazu gehören Fort- und Weiterbildungen, betonen Schroff und Fournell. Das war auch bei Klaus Fournell so, der vor acht Jahren langsam in seinen neuen Beruf eingestiegen ist und anfangs noch reduziert in seinem alten Job gearbeitet hat. Das half ihm, sich in seiner neuen Situation als Selbständiger einzurichten, davor war er angestellt gewesen.
Rechtliche Betreuung

Berufsbetreuer erhalten eine pauschale Vergütung pro Monat, die zwischen 62 und 486 Euro liegt. Die Fallpauschale richtet sich nach der beruflichen Qualifikation des Betreuers, der Dauer der Betreuung, dem gewöhnlichen Aufenthaltsort und dem Vermögensstatus des Betreuten. Mehr Infos und Beratung bei Christoph Schroff unter Tel. Telefon 0761/2187-2378 oder Email betreuungsbehoerde@lkbh.de

Inzwischen arbeitet Klaus Fournell von seinem Büro in Freiburg aus, das er mit einer Kollegin teilt, die beiden haben zusammen auch eine Sekretärin. Von ihr lässt sich Klaus Fournell bei Finanzthemen entlasten, die einen großen Teil der Betreuungsarbeit ausmachen. 20 Stunden in der Woche prüft sie die Kontoauszüge seiner Betreuten, dadurch bleibt ihm mehr Zeit, sich um Konflikte mit Vermietern oder dem Jobcenter zu kümmern. Ohne Sekretärin könnte er maximal 30 Menschen gleichzeitig betreuen, schätzt er, mit ihr schafft er derzeit 42.

Während viele seiner Kollegen vor allem mit alten Menschen zu tun haben, konzentriert er sich auf Drogenabhängige, Wohnungslose und psychisch Kranke. Die meisten leben in Freiburg, doch er betreut auch Menschen in Merdingen, Neuenburg, Müllheim und Ettenheim. Manche sieht er wöchentlich, andere nur jedes halbe Jahr, bei den meisten sind die Abstände irgendwo dazwischen. Für junge Wohnungslose, die keine Lust auf einen Betreuer haben, regelt er, was anfällt, im Hintergrund. Manchen, die nicht mit Geld umgehen können, zahlt er alle zwei Wochen eine feste Summe aus. Bei Menschen in Heimen genüge es meist, alle paar Monate vorbeizuschauen.

Denn Klaus Fournell sieht sich nicht als fester Begleiter, sondern ausschließlich als Vertreter der Rechte der Menschen, die er betreut. Für diejenigen, die mehr brauchen oder einsam sind, organisiert er Ansprechpartner. Klar sei: Wer Erfolge braucht, eignet sich nicht als Berufsbetreuer. Denn die Menschen, mit denen er und seine Kollegen zu tun haben, leben in schwierigen Situationen, aus denen sie oft nicht herausfinden. Forunell gelinge es allerdings sich über kleine Schritte zu freuen.