Lasst endlich Vernunft walten

Michael Rux

Von Michael Rux (Freiburg)

Fr, 13. März 2020

Leserbriefe

Mir geht die verkürzte, kurzsichtige Argumentation über das Tempolimit gehörig auf den Geist: So wichtig die Klimafrage auch sein mag – warum wird vorwiegend über den CO2-Ausstoß gesprochen und kaum über die Drängelei und Raserei auf unseren Straßen? Und wenn Letzteres mal dran ist, dann wird vorrangig über die daraus resultierende Unfallgefahr berichtet, was die Freie-Fahrt-für-freie-Bürger-Fraktion zum kollektiven Aufschrei animiert, auf deutschen Autobahnen würde am wenigsten passieren.

Aber, wer mit seinem Auto aus dem Ausland heimkehrt, erlebt jedes Mal den gleichen Horror: Egal, woher man kommt, aus der Schweiz, den Niederlanden, Frankreich, stets verwandelt sich unmittelbar nach Überqueren der Grenze das wohltuende, gleichmäßige Gleiten auf temporegulierten Straßen in deutsche Rechthaberei und das Vorrecht des PS-Stärkeren. Aus ist es dann mit der Ruhe und dem Sicherheitsgefühl, stattdessen muss man jeden Augenblick damit rechnen, dass jemand mit einem Höllentempo herangeprescht kommt.

Ein allgemeines Tempolimit ist ein Stück Kultur, ein Zeichen für Rücksichtnahme, Geduld und Freundlichkeit. Lasst endlich Vernunft walten! Wir müssen nicht überall Vorreiter sein, aber ich schäme mich, dass unser Land als einziges an diesem atavistischen Unsinn festhält.

Michael Rux, Freiburg