Leichtigkeit und Klangmacht an der Orgel

Hildegard Karig

Von Hildegard Karig

Do, 13. Februar 2020

Waldkirch

Meisterwerke von Johann Sebastian Bach mit Matthias Maierhofer in Kollnau .

WALDKIRCH-KOLLNAU. Matthias Maierhofer, der amtierende Domorganist am Freiburger Münster und Dozent an der Musikhochschule Freiburg, war am Sonntag ein zweites Mal zu Gast an der Orgel in der Evangelischen Paul-Gerhardt-Kirche in Kollnau. Entgegen der Vorankündigung spielte er ein Programm ausschließlich mit Werken von Johann Sebastian Bach. In einer kurzen Einführung zeigte der Organist auf, dass mit den ausgewählten Stücken ein Bogen von frühen zu späten Werken geschlagen war, einzelne Aspekte im umfassenden Schaffen Bachs waren ausgeleuchtet.

Toccata und Fuge in d-moll BWV 565 zu Beginn: eines der am häufigsten gespielten und bekanntesten Orgelwerke, von Maierhofer zunächst mit großer Ruhe, dann in rasanten Tempi, deutlichst strukturiert gespielt. Mit einer Leichtigkeit, die dieses Werk von allem bombastischen Schwulst, der es in vielen Wiedergaben beschwert, befreite und der übersprudelnden und expressiven Energie des Komponisten Raum gab. Um so eindringlicher erschien dann die große Ruhe in den wenigen Takten vor dem abschließenden moll-Akkord. Ein Beispiel, wie richtig die Charakterisierung "dieses protestantischen Spitzenmannes als fünften Evangelisten" (Maierhofer) sein kann, war mit den Choralvariationen über "Ach was soll ich Sünder machen" gegeben. Entsprechend der Glaubensgewissheit in den Endzeilen der Strophen "meinen Jesum lass ich nicht" werden neben allem Kreuz und Leiden in den einzelnen Partiten Zuversicht und Hoffnung in Bachs Musiksprache deutlich, unterstrichen durch den fast programmatisch zu nennenden Schluss in Dur. Maierhofers Interpretation verdeutlichte dies noch hörbar durch die Registerwahl. Weich und gedämpft zu Beginn, wählte er für die lebhafteren Partiten helle, Vogelstimmen ähnliche Register.

Die kluge Auswahl der Register und die Offenheit aller klanglichen Möglichkeiten der Orgel gegenüber kamen auch den vier ersten Kontrapunkten aus der "Kunst der Fuge" zugute. Weiche Streicherregister lassen die Stimmführungen für sich sprechen, die Umkehrung des Themas in Kontrapunkt III und IV waren verdeutlicht durch eine feine Artikulation und Phrasierung des Organisten. In der spannungsgeladenen Passacaglia BWV 582, einem Spätwerk Bachs, fesselten die vielen phantasievollen Wendungen, die Bach über dem sich einprägenden ostinaten Thema zu verwenden weiß. Ein manual zu spielender einstimmiger Mittelteil steht in starkem Kontrast zu der sich anschließenden Fuge, die in einen strahlenden C-Dur-Akkord mündet. Glanzvoll und energiegeladen auch die Wiedergabe, die bei aller Klangmacht in ihrer spielerischen Leichtigkeit faszinierte.

Zu der Leichtigkeit trug sicher auch bei, dass der Organist in seinen Wiedergaben auf ausgedehnte, effekthaschende Ritardandi verzichtete. Sympathisch, dass Maierhofer den langen Applaus an die Orgel weitergab, deren Klangmöglichkeiten er professionell und virtuos zu Gehör brachte. Den Beifall beantwortete Matthias Maierhofer mit einer Sonate von Pergolesi. Sie bildete mit ihren ausgereizten Vorhalten und agogischen Freiheiten einen verspielten weiteren "Kontrapunkt".