Leserbriefe

Sebastian Müller (Freiburg )

Von Sebastian Müller (Freiburg )

Do, 23. September 2021

Lahr

TINO RITTER

Kalkuliertes Blinken nach weit rechts
Zum Wahlkampffeature mit dem FDP-Bundestagskandidaten Tino Ritter ("Mit Angriffslust, ohne Corona-Impfung"/ BZ vom 22. September) meldet sich ein Leser zu Wort.

Der 49-jährige Tino Ritter behauptet, dass er in seinem Alter kaum ein Risiko habe, schwer an Corona zu erkranken. Es liegt in der Eigenverantwortung jedes Bürgers, sich gegen eine potenziell tödliche Infektionskrankheit zu schützen. Die im Wettbewerb verschiedener Unternehmen entwickelten, breit erprobten und bewährten Impfstoffe, bieten dazu eine sehr gute Möglichkeit.

Gerade auch vor dem Hintergrund, dass Lungenfachärzte wie Cihan Çelik berichten, dass das Durchschnittsalter der Patienten, die sie in die Intensivstation verlegen, inzwischen 51 Jahre beträgt – alle ungeimpft. Auch diejenigen die nicht ins Krankenhaus müssen, haben teilweise noch lange mit den Folgen zu kämpfen.

Die Beschreibung von Tino Ritters Twitter-Account als provokant finde ich verharmlosend. Schaut man sich die Beiträge von Herrn Ritter an, aber auch diejenigen, die er teilt, dann findet man etliche, die sich mindestens im Grenzbereich zu rechtsextremem Gedankengut bewegen und verschwörungsmythische Aussagen enthalten. Er teilt einen Tweet mit den Hashtags #Deutschland wird bunt und #Messergrüße aus Afghanistan. Er nutzt Ausdrücke wie "Neger" oder "Zigeuner", die heute von vielen aufgrund ihrer Geschichte als unnötig verletzend empfunden werden.

Auch sonst raunt er viel, etwa über Briefwahl, die häufig "gelenkt" sei und gegen die Wahlgrundsätze verstoße. Oder er spekuliert, das Coronavirus sei von Chinesen künstlich hergestellt und bewusst verbreitet worden. Ritter behauptet, immer mehr Bürger ließen sich in Absprache mit ihren Ärzten etwas anderes spritzen als Impfstoff, die Ärzte würden das aber als Corona-Impfung dokumentieren. Was für den Arzt und Patienten wahrscheinlich eine Straftat wäre. Er wettert gegen den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk oder behauptet: "Gendern ist die Wohlstandskrankheit einer dekadenten Gesellschaft ohne echte Probleme." Daneben lästert er über das Maskentragen.

Es sind nicht einzelne Aussagen, sondern nach meiner Überzeugung als Inhaber eines Staatsexamens in Politikwissenschaft, der sich auch beruflich intensiv mit rechtem Gedankengut auseinandersetzt, das kalkulierte Blinken von Tino Ritter nach weit rechts und in Richtung von Coronaleugner-Gruppen, mit den typischen Themen, Ausdrücken und Einstellungen in diesem Bereich.

Tino Ritter würde besser zur AfD oder "Die Basis" passen als zur FDP.

Sebastian Müller, Freiburg