Leserbriefe

Eugen Hurst, Kippenheimweiler

Von Eugen Hurst & Kippenheimweiler

Fr, 26. Juni 2020

Lahr

NEUE KREISSTRASSE
Weitsicht ja, Mehrbelastung nein
Auf den Leserbrief des Vorsitzenden der Bürgerinitiative B3-Umfahrung Kippenheim Matthias Stulz ("Mehr Verständnis für die Nachbargemeinden", BZ vom 24. Juni) sind zwei Reaktionen aus dem Lahrer Stadtteil Kippenheimweiler eingegangen.

Die Aussage von Herrn Stulz, dass derjenige, der Verkehr verursacht, auch Verkehr ertragen muss, kann ich so nicht stehen lassen. Durch die Umgehungsstraße wird am Ortsrand von Kippenheimweiler ein Verkehr von etwa 17 000 Fahrzeugen prognostiziert. Das steht in keinem Verhältnis zu den rund 2000 Einwohnern in Kippenheimweiler. Da wir bereits die Bahn im Osten und die Autobahn im Westen haben, können wir auf eine zusätzliche Straße mit solch einem hohen Verkehrsaufkommen in Ortsnähe gern verzichten.

Deshalb sollte es selbstverständlich sein, dass der Wunsch geäußert wird, die neue Straße so nah wie möglich an der Bahnlinie zu bauen und nicht am Ortsrand von Kippenheimweiler beziehungsweise zwischen dem Wohn- und dem Gewerbegebiet Langenwinkel. Dies ist meiner Meinung nach das eigentliche Ansinnen der Betroffenen – und nicht das Verhindern einer Umgehungsstraße von Kippenheim.

Leider haben es die Kippenheimer versäumt, vor Jahren eine Umgehungsstraße über die Franken- und die Keltenstraße voranzutreiben. Stattdessen wurde in diesem Bereich ein Gewerbegebiet erschlossen. Bei der Straßenplanung wurde dann auch nicht bedacht, eine ausreichende Breite der Straße vorzusehen, um die Möglichkeit für eine Umfahrung Kippenheims offenzulassen. Somit kann eine Umfahrung nur mit einer Mehrbelastung der Nachbargemeinden verwirklicht werden. Dafür soll man Verständnis haben? Der Bitte von Herrn Stulz bezüglich Weitsicht, Rücksicht, Solidarität und dem Überdenken der eigenen Forderungsliste kann ich nur zustimmen. Allerdings sollte dies dann auch von allen Beteiligten so gehandhabt werden.

Variante "2++" ist ein echter Kompromiss
Kippenheim möchte nun endlich seine Ortsumfahrung realisiert wissen. Verständlich, nach so vielen Jahren des Stillstands, Lärm, Gestank und immer mehr Verkehr. Kein Verständnis habe ich allerdings für die Vorwürfe von Herrn Stulz, dass die Nachbargemeinden doch etwas mehr Verständnis für die B 3-Umfahrung von Kippenheim aufbringen sollten und zudem die Einwohner von Kippenheimweiler und Langenwinkel eine Mitschuld für das hohe Verkehrsaufkommen in Kippenheim haben. In Kippenheimweiler werden Sie voraussichtlich niemanden finden, der für die Kippenheimer und insbesondere die direkten Anwohner der B 3 kein Verständnis hat. Und ich möchte daran erinnern, dass auch Kippenheimer durch unseren Ort und Langenwinkel fahren, was letztendlich selbstverständlich ist. Auch meine Bitte lautet: Wir sollten uns nicht in gegenseitigen Vorwürfen oder Beschuldigungen verstricken, sondern an einem Strang ziehen. Nur so finden wir am Ende eine Lösung, in der sich alle Betroffenen wiederfinden. Für den Bereich zwischen Kippenheim, Kippenheimweiler und Langenwinkel ist die vom Ortschaftsrat vorgelegte Trassenvariante 2++ ein echter Kompromiss für alle drei Gemeinden: Kippenheim erhält seine B 3-Umfahrung in einem verträglichen Abstand, von Kippenheimweiler ist die neue Kreisstraße – wenn sie bahnparallel verläuft und der Kreisverkehr am Friedhof und nicht an der Rebwegbrücke liegt – weit genug entfernt, Langenwinkel bleibt vom Verkehrsinfarkt ebenfalls verschont, sofern die Trasse bahnparallel bis zur ehemaligen Gaskugel an der B 415 verläuft.

Daneben sehe ich einen weiteren Gewinn für unsere Natur und Landschaft, die durch die bahnparallele Trassenführung nicht noch mehr zerschnitten wird, anders als die Variante "Rebweg/ Sulzer Kreuz" des Landratsamts. Und zu guter Letzt noch ein Bonbon in puncto Investitionen und Unterhaltungskosten: Bei der derzeitigen Variante des Landratsamts muss die Rebwegbrücke abgebrochen und erneuert, sowie die Brücke zwischen Kippenheimweiler und Kippenheim mittelfristig saniert und aufgrund des beschlossenen Radwegs verbreitert werden. Bei der Variante des Ortschaftsrats werden die zwei genannten Brücken entfernt und nur eine neue hergestellt. Eventuell kann sogar ein Kreisverkehr eingespart werden. Ich bin sicher: Der Ortschaftsrat von Kippenheimweiler und alle in dieser Sache engagierten Bürger im Dorf stehen für Gespräche jederzeit und gern zur Verfügung. Nehmen Sie das Angebot wahr.