Leserbriefe

Stephan Schmid, Lörrach

Von Stephan Schmid & Lörrach

Do, 08. April 2021

Lörrach

BAUMFÄLLUNGEN


Was für eine verquere Logik
Zum Artikel "Bekannte Kritik brandet wieder auf" und Kommentar vom 1. April.
Ich freue mich, dass die Badische Zeitung über die Baumfällungen am Maienbühl berichtet. "Den Aufwand, einzelne Bäume zu entnehmen …" bezeichnet Berthold Köpfer als "sehr viel höher und nur mit einem ganzen Heer von Waldarbeitern" machbar. Warum eigentlich nicht? Was spricht dagegen, Menschen Arbeit zu geben? Wahrscheinlich ökonomische Gründe – (siehe Bilanz Horst Eckert Lage zur am Arbeitsmarkt im Landkreis Lörrach:"Immer mehr Menschen sind länger arbeitslos").

Ich bin enttäuscht und viele Bürger Lörrachs wohl auch. Fritz Böhler (Grüne) hat Recht. Ihre Fragestellung im Kommentar ist auch zu unterstützen. ("Muss wirklich jede kränkelnde Esche... mittels 30-Tonner ff. ?) Fragen Sie doch ältere Bürger in den Altenheimen. Meine Mutter meint, die Sonne hätte früher anders geschienen, nicht so grell. Es war auch nicht so trocken und die Übergänge zwischen den Jahreszeiten waren maßvoller.

Hat das nicht auch ein wenig damit zu tun, dass wir immer weniger Bäume haben, die CO2 binden? Anstatt dessen sollen wir für unseren CO2-Ausstoß bezahlen, was für eine verquere Logik. Mir kommt es vor wie beim Rauchen. Raucher behaupten immer, sie seien die besten Steuerzahler. Mag stimmen und der Staat wäre vielleicht ärmer ohne die Raucher. Aber bedeutet das wirklich Wohlstand? Naturschützern Einsicht gewähren
So, jetzt hat es also wieder einmal eine übermäßige Fällaktion des Lörracher Forstes gegeben. Anwohner protestieren. Naturschützer protestieren. Grüne Stadträte protestieren. Es kommen Rechtfertigungen von der Forstverwaltung, manche davon mehr oder weniger stichhaltig, andere nicht. All das ist höchst unbefriedigend, da es in einem halben oder ganzen Jahr wohl genau wieder so laufen wird – beim nächsten Einschlag.

Für die Gemarkung einer Gemeinde gibt es einen Flächennutzungsplan, in dem auch festgelegt ist, welche Fläche Wald ist. Bei dem Anteil der "Nicht-Wald-Fläche" wird der Plan nicht nur dem Gemeinderat, sondern auch allgemein "Trägern öffentlicher Belange", also auch Naturschutzverbänden zur Stellungnahme vorgelegt. Es gibt dann im Anschluss eine oft sehr rege und lebhafte öffentliche Diskussion darüber, ob etwa ein bestimmtes Gelände bebaut werden darf, oder welcher sonstigen Nutzung oder auch gar keiner Nutzung es zugeführt werden soll. Für die Flächen, die als Wald zählen und der Forstverwaltung unterstehen, gibt es eine sogenannte Forsteinrichtung. In dieser wird festgelegt, wie ein bestimmtes Waldstück forstlich genutzt werden soll. Für die Abholzung in einem bestimmten Jahr gibt es Hiebpläne. Mir ist aber nicht bekannt, dass eine solche Forsteinrichtung einmal öffentlich diskutiert worden wäre. Allenfalls wurde Gemeinderäten Einsicht gewährt, nicht aber Naturschutzverbänden. Würde die Forstverwaltung das tun, also die Naturschutzverbände schon im Vorfeld informieren, gäbe es diesen ganzen Ärger mit der Kritik im Nachhinein nicht.

Aus diesem Grund hatte ich vor mehreren Wochen Förster Köpfer um Einsichtnahme in die Forsteinrichtung nach dem Umweltinformationsgesetz gebeten, jedoch keine Antwort erhalten. Dabei geht es ja gar nicht darum, den Forst an den Pranger zu stellen. Vielmehr ist es so, dass wir zur Zeit vor allem mit zwei großen Umweltproblemen konfrontiert sind, dem Insektenschwund und dem Klimawandel. Da müssen alle Bereiche der Gesellschaft betrachtet werden und ihren Beitrag leisten, da darf es keine Black Box geben. Eine solche Diskussion im Vorfeld könnte der Forstverwaltung ja auch die Möglichkeit geben, konstruktive Kritik zu beherzigen und andererseits sich für unpopuläre Maßnahmen zu rechtfertigen und Zielkonflikte darzustellen.