Leserbriefe

Elisabeth Bührer

Von Elisabeth Bührer (Freiburg)

Di, 12. Mai 2020

Breisach

ABSTANDSGEBOT
"Nehmt Rücksicht aufeinander!"
Zum Artikel "Gebote der Vernunft" in der Badischen Zeitung vom Samstag, 18. April, erreichte uns folgende Leserzuschrift:
Ein weiteres Wochenende zu Corona-Zeiten bei Kaiserwetter (das wievielte ist es eigentlich?) haben wir nun auch geschafft! Soziale Kontakte sollen vermieden werden, der Mindestabstand zu Mitmenschen soll 1,5 Meter betragen.

"Die Mehrheit der Bevölkerung hält sich an diese Regeln" – so wird es in allen Medien berichtet. Ich behaupte, dass sich die Minderheit wirklich daran hält … Unsere schöne Stadt verfügt über reichlich interessante Spazier-, Wald- und Radwege, die man gerade in diesen Tagen genießen sollte und könnte. Aber was passiert? Begegnet man auf einem gerade mal 1,5 Meter breiten Spazierweg als Einzelperson einer Zweier- oder gar Familiengruppe, so muss man regelmäßig in Gräben, ins Gebüsch oder auf unwegsames Gelände "flüchten", weil niemand bereit ist, hintereinander zu gehen, nur für diesen Moment, um dem Entgegenkommenden diesen Mindestabstand zu ermöglichen.

Ganz gefährlich wird es dann noch mit den Radfahrern! Sie fahren in mehr oder weniger kleinen Gruppen (natürlich unter Einhaltung des Mindestabstands) überall herum. Ohne Rücksicht auf Spaziergänger kommen sie von allen Seiten mit einem meist immensen Tempo. Ein Fahrrad ist doch erst verkehrstauglich, wenn es über eine Klingel verfügt.

Aber diese Klingel muss nun auch betätigt werden, damit ein Spaziergänger, der keinen Rückspiegel hat, einen von hinten herannahenden ("-rasenden") Radfahrer überhaupt wahrnehmen und entsprechend wahrnehmen kann! Stattdessen quietschen Fahrradbremsen (ohne vorher zu klingeln), und Fußgänger werden verschreckt und regelrecht davongejagt. Ich habe mir heute (da ich ja viel Zeit habe …) die Mühe gemacht und die Radfahrer (von hinten kommend) gezählt, das war schwierig. Aber die Radfahrer zu zählen, die eine Klingel betätigt haben, war ganz einfach: Es waren ganze zwei Prozent! Leider habe ich nicht die technischen Möglichkeiten, anonymisierte Fotos zu erstellen, sonst hätte ich dieses Chaos der BZ gerne noch glaubhafter machen können.

Ich appelliere an alle, die sich draußen bewegen: Nehmt Rücksicht aufeinander, zeigt euch solidarisch mit allen Mitmenschen, denn diese Krise geht uns alle an!

Elisabeth Bührer, Freiburg