Leserbriefe

Annerose Möbes, Lahr

Von Annerose Möbes & Lahr

Sa, 05. Oktober 2019

Lahr

LANGENHARD
Weg des Kompromisses ist nicht gewollt worden
Zu den Veränderungen auf dem Langenhard (die Badische Zeitung hat mehrfach über das Thema berichtet) sind weiterere Leserbriefe eingegangen.
Der Langenhard ist eingezäunt. Mit dem Ziel des Naturschutzes wird eine Fläche geschaffen, die vor allem durch gerade breite Wege und durch Zäune gekennzeichnet ist. Der Mensch kann sich nur noch zwischen Zäunen bewegen.

Wildwechsel werden durch Stromzäune getrennt, statt kleiner Wege sind breite Trassen für die Zäune gezogen worden. Waldsäume sind zerstört worden. Es benötigt Jahre, um sie wieder in den wertvollen Lebensraum zurückzuverwandeln. Technisch ist es zudem unmöglich, da die Zäune zur Wartung frei gehalten werden müssen. Blütenränder sind ein anderes Habitat als buschiger Waldsaum. Kommunikation mit den Anliegern und mit der breiten Öffentlichkeit wird im Nachhinein geführt, verwundert wird zur Kenntnis genommen, dass der Bürger empört ist. Pressemitteilungen kurz bevor schwere Geräte am Rollen sind, alles ist von wenigen Eingeweihten beschlossene Sache. Der für "das Insektenleben wertvolle Rinderdung" ist nichts Neues in dem Gebiet. Auf dem Schmiederhof existiert er seit langer Zeit zusätzlich zum Schafsdung. Das seit Jahrzehnte bestehende Recht des Lahrer Bürgers, sich an seinem Langenhard als generationsübergreifendes Naherholungsgebiet zu erfreuen, wird mit der Bemerkung "die Wege sind frei zugänglich" abgetan. 2012 wurde der Wille zum Naherholungsgebiet noch beteuert, bevor das Gebiet in die Hände der Stiftung überging. Gäste des Freizeithofes, der Ökologiestation und der Stadtranderholung sind nun ausgesperrt.

Was bleibt? Der sichtbare Wille des Naturschutzbundes, Flächen zu gestalten, sich Denkmäler zu setzen. Naturerleben findet nicht mehr statt – so polarisiert der Naturschutzbund im Sinne des Naturschutzes: Natur oder Mensch. Welch veraltete Sichtweise. Zutritt für eine Handvoll Befugte, Umweltbildung als Monolog vor dem Zaun. Über Gespräche mit der Bevölkerung von Lahr und mit den Anliegern hätte es einen wunderschönen Kompromiss geben können. Aber dieser Weg ist wohl nicht gewollt worden.

Als Nabu-Mitglied – beziehungsweise als demnächst ehemaliges Mitglied – ist das alles für mich sehr erschreckend.

Naherholungsgebiet wurde eiskalt zerstört

Die Umgestaltung des ehemals idyllisch anmutenden Langenhards mit zuvor frei zugänglichen Wiesen, kleinen Wasserstellen, hübschen Waldwegen und einer Schafherde in eine streng abgezirkelte, maß- und lieblos abgeholzte und mit breitesten Gehtrassen verschandelte Nutzlandschaft voller hässlicher Elektrozäune für künftig dort grasende Rinderherden hat mich regelrecht schockiert. Sämtliche Grünflächen wurden umzäunt, selbst schmale Waldwege wurden bis zu sieben Meter Breite brutal gerodet und plattgewalzt, und dies auch noch während der rechtlich vorgeschriebenen, für viele Vogel- und Kleintierarten Schutz gewährenden Brutzeit.

Ein vom Nabu angedachtes Naturerlebnis, wie es auf einigen Schildern nach wie vor propagiert wird, ist so leider kaum noch möglich und wirkt wie blanker Hohn. Beim heutigen Spaziergang herrschte ein Gefühl von Traurigkeit, Enge und Eingesperrtsein vor. Die liebliche, offene Landschaft und mit ihr ein höchst beliebtes Naherholungsgebiet wurden eiskalt zerstört. Da helfen auch keine im Nachhinein präsentierten wissenschaftlichen Erklärungen für dieses Natur-Massaker; der Nabu, der für all dies mitverantwortlich zu sein scheint, ist für mich – wie auch der Langenhard – seit heute gestorben.