Leserbriefe

Martin Albert (Seelbach )

Von Martin Albert (Seelbach )

Mi, 08. Januar 2020

Lahr

THEMA
Frömmigkeit kennt viele Formen
Zum Artikel "Frömmigkeit kennt viele Kirchen" (BZ vom 2. Januar) erreicht die Redaktion ein Leserbrief.
Es ist begrüßenswert, wenn in einem Buch und einem Zeitungsbericht die Vielfalt organisierten religiösen Lebens in Lahr dokumentiert werden soll. Drei Aussagen des BZ-Beitrags bedürfen allerdings der begrifflich-inhaltlichen Richtigstellung:
1. "Kirche" ist kein Oberbegriff "für alle" Formen religiöser Gemeinschaften, sondern ein ausschließlich christlicher Begriff, der zunächst "die zum Herrn (Jesus Christus) gehörende Gemeinde" (griechisch kyriaké ekklesía) bezeichnet, dann den Gottesdienst und das Gotteshaus der Christen und schließlich auch die unterschiedlichen christlichen Glaubensrichtungen (Konfessionen). Insofern passen die Überschrift ("Frömmigkeit kennt viele Kirchen") und das zentrale Moschee-Bild in doppelter Hinsicht nicht zusammen: Frömmigkeit gibt es nicht nur bei Christen, und Moscheen sind keine Kirchen.
2. Es ist auch falsch, von der "evangelische(n) Religion" zu sprechen, denn Protestanten, Katholiken, Orthodoxe, Anglikaner und andere gehören nicht unterschiedlichen Religionen an, sondern lediglich verschiedenen Konfessionen (Glaubens-, Bekenntnisrichtungen) innerhalb der Religion des Christentums.
3. Die Aussage "Juden, Christen und Muslime glauben an den einen, gleichen Gott" verkennt den Unterschied zwischen "Gott" und "Gottesvorstellung". Wenn es nur einen Gott gibt, wie Juden, Christen und Muslime glauben, dann muss dieser Gott derselbe – nicht der gleiche – sein, sonst wäre er nicht der eine und einzige. Von diesem einen und selben Gott haben Juden, Christen und Muslime aber teilweise sehr unterschiedliche Vorstellungen.
Martin Albert, Seelbach



SILVESTERFOTO
Macht des Bildes sollte bewusst sein
Zum Silvesterfoto der Badischen Zeitung auf dem Langenhard (BZ vom 31. Dezember) meldet sich ein Leser zu Wort.
Was haben sich die Redakteurinnen und Redakteure dabei gedacht, sich mit Sägen und einem Hammer vor einem Weidezaun am Langenhard zu positionieren? Als Journalisten sollte ihnen die Macht des Bildes doch bewusst sein. Das sieht sehr nach einer Aufforderung an den aus, der "sich damit immer noch nicht anfreunden kann" (mit Schneisen und Zäunen), zur Selbsthilfe zu greifen, zumindest suggeriert dies das Bild. Abgesehen von der Tatsache, dass dies eine Straftat wäre − was sollen die blauen Schafe? Maßen sich die Redakteurinnen und Redakteure an, beurteilen zu können, ob eine Schafbeweidung sinnvoller als eine mit Hinterwälder Rindern wäre, die nach Meinung aller Fachleute ökologisch günstiger und demnach geboten ist? Die Presse kann, ja soll, die Angelegenheit kritisch begleiten, aber zumindest sachlich und mit der nötigen Distanz damit umgehen. Statt "guten Rutsch" zu wünschen, fehlt nur noch "Gut Sägen und Hämmern".Helmut Opitz, Lahr

Genuss auf dem Langenhard
Ebenfalls zum Silvesterfoto und der Reaktion des Naturschutzbunds (Nabu) äußert sich ein Leser, der die Sache etwas anders sieht.
Nachdem der naturverbundene Mensch auf dem Langenhard mit den Signalen der Ausgrenzung konfrontiert ist, ergibt sich für ihn jetzt doch noch die Möglichkeit, an der Natur teilzuhaben. Viele Genussrestaurants haben nämlich den großartigen Fleischgeschmack der Hinterwälder Rinder entdeckt. Das geht so weit, dass der Slow Food Genussführer 2020, der die besten Restaurants beschreibt, von der "Arche des Geschmacks von Slow Food" spricht und damit das Fleisch der Rinder meint. Na dann: Guten Appetit! Und wenn der Nabu vom "Vorrang vor egoistischen Nutzungsinteressen" spricht, entstehen dafür erhebliche Zweifel. Winfried Lehmann, Lahr