Leserbriefe

Hans Happle

Von Hans Happle (Müllheim)

Mi, 23. September 2020

Müllheim

RHEINTALBAHN
Auf einen Aufzug müssen viele noch lange warten
Leserzuschrift zum BZ-Artikel vom 11. September "Große Brücke für kleine Tiere" zur neuen Fledermausüberführung über der Rheintalbahn bei Hügelheim.
Vor kurzem kamen meine Frau und ich von einer langen Bahnreise aus Nordfriesland zurück. Als Behinderter im Rollstuhl war ich sehr auf die gut organisierte bahnseitige Hilfe an den Umsteigeorten angewiesen. Sie hat bis Freiburg bestens geklappt, doch in Müllheim kam dann das unerfreuliche und ungastliche bekannte Ende.

Kommt man auf Gleis 2 an, kann man den Bahnhof nur über die alte Unterführung (Südseite) oder über die neuere Steiltreppe zur Fußgänger- und Radfahrerunterführung (Nordseite) verlassen (dies gilt auch für Gleis 4 und 5). Kein "Bähnler" weit und breit, der das schwere Hilfsmittel runter und rauf tragen hilft. Glücklicherweise waren noch einige wenige hilfsbereite Fahrgäste da, die zupackten. Ich selbst musste mich nicht das erste Mal an den Geländern runter und rauf hangeln. Soviel zur Barrierefreiheit für uns Bahnkunden, nun zu der für die Fledermäuse: Da baut man eine millionenschwere Brücke, verlegt Bäche und hofft, die Fledermäuse funktionieren wie ferngesteuert und lassen sich leiten. Jetzt steht da erst einmal ein prestigeträchtiger Bau mit vielen Unbekannten, finanziert von der Bahn, aus dem Topf der ohnehin für Baumaßnahmen verpflichtenden Ausgleichsmaßnahmen. Das Geld ist weg! Auf einen Aufzug für Gleis 2 werden viele Bahnkunden mit Kinderwagen, Fahrrad oder Rollstuhl noch einige Jahre warten müssen!

Ich habe nichts gegen Fledermäuse, aber an erster Stelle sollte das Wohl des Menschen stehen, dann sind Pflanzen und Tiere dran. Viele der heute so inflationär verlangten Artenschutzgutachten bringen, wohl auf Grund des Tunnelblicks ihres Autors, diese Reihenfolge etwas durcheinander. Die Gutachten selbst sind oft grenzwertig teuer, die inhaltlichen Forderungen gar nicht bezahlbar! Die Bahn hat immense Schulden, verfolgt jedoch hehre Klimaziele. Die Prioritäten müssen wir Menschen einordnen, dabei werden nicht alle Arten überleben!
Hans Happle, Müllheim