Leserbriefe

Andreas Bemerburg

Von Andreas Bemerburg (Königschaffhausen)

Sa, 08. August 2020

Emmendingen

EMMENDINGER KULTURSOMMER
"Auch ich bin entsetzt"
Zum Artikel "Pfarrer verteidigt Kultursommer" (BZ vom 4. August) erreichten uns mehrere Zuschriften von BZ-Lesern.
Ich möchte Frau Hauger für ihren Mut danken, dass sie sich gegen die Profanierung von St. Johannes wendet. Auch ich bin entsetzt, dass in einer geweihten Kirche Kabarett und Konzerte stattfinden. Pfarrer Herbert Rochlitz begründet die Kirchenöffnung damit, dass Jesus eine auffällige Hinwendung zu den Nicht-Frommen hatte. Ja, kann man entgegnen, aber er führte die Nicht-Frommen zu einer Bekehrung der Herzen. Die Bibel zeigt auch den Jesus, der die Geldwechsler aus dem Tempel jagte. Würde er mit denen, die das Haus Gottes heute verunehren, genauso verfahren? Was meint er mit den Worten: "Gebt das Heilige nicht den Hunden (Matthäus 7,6)"? Erzbischof und Ordinariat hätten "Nein" sagen müssen. Wir sind für unser Tun und Lassen verantwortlich und werden dafür Rechenschaft ablegen müssen. Haben wir dies vor Augen!

Andreas Bemerburg, KönigschaffhausenLob und Dank an alle
Rege Resonanz findet der Kultursommer 2020 in St. Johannes. Eine beachtliche Anzahl von 100 Personen unterstützt ehrenamtlich die mehrtägige Veranstaltung und die Mehrheit der aktiven Katholiken in Emmendingen hat hierzu keine Einwände. Lob und Dank an alle, die im Vorfeld dazu beigetragen haben.

Die Aussagen im Pressebericht von Frau Hauger zum Kultursommer können so nicht hingenommen werden. Einmal weist Frau Hauger darauf hin: "Ich habe mich an vieles gewöhnt. Aber es gibt Dinge, die man nicht der Zeit anpassen darf. Es ist immer noch ein Gotteshaus." Hier kann ich mit Frau Hauger einer Meinung sein, "es ist richtig und weiterhin das bestimmte Haus für Gott".

Die Emmendinger Kirche St. Johannes verliert jedoch durch den Kultursommer weder die Weihe noch die Würde. Feierlichkeiten wie Gottesdienste mit Gebeten und Kirchenmusik werden immer noch getätigt, was zu den wichtigsten Grundelementen einer christlichen Gemeinschaft gehört.

Ehrlich gesagt: Die Gespräche mit Mitarbeitern der Firma Weißhaar und den engagierten Künstlern haben mich schon gerührt und tief getroffen. Was ich gehört habe zum Kultursommer, ist auch Glaubensverkündigung (Mission) in der Coronazeit. Ausgesprochene Dankbarkeit gegenüber Pfarrer Rochlitz und Christoph Römmler von Karoevents für den Kultursommer! An einem Stehtisch sagt ein Besucher: "Die Stimmen, die gegen diese Veranstaltung sind, wissen nicht, was Corona für Künstler, Bedienstete und hiervon betroffene Personen bedeutet."

"Die Kirche muss auf Menschen zugehen", sagt Frau Hauger und fährt fort "Aber so lockt man niemanden in die Kirche. Das ist keine Toleranz, das ist Gleichgültigkeit und Anpassung. Wir erreichen mehr, wenn wir unseren Glauben bekennen." Für mich selber es eine Anmaßung, den Verantwortlichen zu unterstellen, hier sei Kirche außen vor und die christliche Botschaft werde nicht beachtet. Ich denke, das Gegenteil ist der Fall. Gerade aus der Seelsorgeeinheit Emmendingen-Teningen kamen überaus viele Besucher.

Wir kennen Herbert Rochlitz als Pfarrer, der auf einzelne Personen zugehen kann und mit uns gemeinsam den Glauben praktiziert. Wir wissen, was wir an ihm haben. Dass gerade in letzter Zeit mehr junge Familien den Weg in die Kirchen gefunden haben, können wir überaus positiv feststellen. Ein Team von der Kolpingfamilie und dem Theater im Steinbruch bewirtet und kann die positiven Aspekte erleben. In einem Gespräch und einer Diskussion mit einer Person über den Kultursommer fasste diese das Fazit: "Wenn der Herrgott anwesend wäre, hätte er auch seine Freude bei den vielen strahlenden Gesichtern in seiner Kirche." Konrad Meicher, Emmendingen
"Dürfen mutiger werden"
Ich finde die Idee von Pfarrer Herbert Rochlitz und seinem Team, die Veranstaltungen des Kultursommers in der Emmendinger Pfarrkirche St. Johannes stattfinden zu lassen, sehr mutig und richtig. Die Kirche öffnet sich so in dieser Form dem gesellschaftlichen Leben.

Gleichzeitig gibt sie kulturschaffenden Frauen und Männern auch die Möglichkeit, in einer Zeit vor Publikum aufzutreten, in der diese Möglichkeiten sehr begrenzt sind. Die Verantwortlichen in der Kirche wenden sich Menschen zu – dies ist für mich ein Wesenskern der christlichen Religion.

Die Kirche muss sich mehr auf die Lebenssituation von Menschen zubewegen. Es ist gut, wenn dazu auch die Kirchen genutzt werden. Hier dürfen wir mutiger werden. Diese Öffnung wird auch der Gegenwart Gottes gerecht. Er ist unter uns in unseren alltäglichen Lebensvollzügen. In dieser Form sprechen wir Menschen an.
Alfons Woestmann, Emmendingen

"Jesus hätte sie erquickt"
Nein, Geldwechsler oder Händler hätte Jesus in der Emmendinger St. Johanneskirche nicht angetroffen. Es waren eher "mühselige und beladene" (Matthäus 11,28) Künstler, denen wegen der Pandemie die wirtschaftliche Basis weggebrochen war. Ganz sicher hätte Jesus sie "erquickt", das heißt, er hätte ihnen Lebensmut zugesprochen und Unterstützung zukommen lassen. Nächstenliebe kann unterschiedliche Gesichter zeigen, auch gewöhnungsbedürftige.

Hans-Jürgen Günther, Emmendingen