Leserbriefe

Markus Selbmann

Von Markus Selbmann (Görwihl)

Di, 27. April 2021

Dachsberg

MOBILFUNK IN DACHSBERG
Nicht mehr arbeitsfähig
Zum Leserbrief in der BZ "Wir wollen einfach in Ruhe leben" (BZ vom 20. April, Seite 27)
Vor Beginn meiner Elektrohypersensibilität war ich hauptverantwortlicher Datenbankadministrator. Diese Arbeit erledigte ich mit viel "Herzblut" und Freude, ich war ein sehr zuverlässiger Mitarbeiter, dem keine Daten verloren gingen. Mit Beginn der EHS sackte meine Konzentration auf 30 Prozent ab, meine Kollegen nahmen anfangs noch Rücksicht auf mich, als ich begann, kein WLAN mehr zu vertragen. Aber durch immer mehr kabellose Notebooks wurde das ein schwieriges Unterfangen. Bald musste ich ein ärztliches Attest vorlegen. Ich war durch meine körperlichen Symptome auf WLAN fast nicht mehr in der Lage den DB Dump auf Bluray zu brennen. Als unser Unternehmen die "Digitale Schaden-Akte" bekam, war dies mit 800 Tabletts verbunden, alle mit WLAN, 2017. Seitdem bin ich nicht mehr arbeitsfähig. Meine Symptome wurden so schlimm, dass ich schließlich auf sämtliche elektromagnetische Strahlung reagierte, auch vertrage ich keine Duftstoffe, diverse Baustoffe, etc. mehr. Meine geliebte Arbeit musste ich aufgeben, auch meine Wohnung. Meinen Wohnort musste ich seit dem zig mal wechseln. Zeitweise blieb mir nur mein Bus zum Übernachten. Manchmal fuhr ich 100 Kilometer um einen strahlenarmen Übernachtungsplatz zu finden. Sind dann auf einem Rastplatz Lkw, musste ich wieder flüchten. Ich war Wanderwart, Übungsleiter beim Ski-Kanu-Club, dem größten Paddelverein in Hessen. Auf Grund der vielen genutzten Smartphones konnte ich auch zunehmend nicht mehr am Vereinsleben teilnehmen. Nun bin ich hier in der Gegend, habe ein funkarmes Häuschen gemietet und weiß nicht, ob ich hier blieben kann, wegen dem geplanten Funkmasten. Seit meiner Elektrosensibilität bin ich nur noch alleine. Im Boot, und auch unterwegs.

Markus Selbmann, Görwihl