Leserbriefe

Hans-Peter Goergens, Offenburg

Von Hans-Peter Goergens & Offenburg

Sa, 15. Februar 2020

Offenburg

HINDENBURGSTRASSE

Ehre nur, wem auch Ehre gebührt
Auf den Artikel "Hindenburg war eine Katastrophe" (BZ vom 3. Februar) reagiert dieser Leser.
Gleichzeitig in zwei Gemeinden des Ortenaukreises gibt es Diskussionen darüber, ob eine Straße umbenannt werden soll oder nicht. In Ettenheim geht es um die Otto-Stoelker-Straße, in Offenburg um die Hindenburgstraße.

In Ettenheim schickte Otto Stoelker rund 100 seiner Arbeiter zur Unterstützung des Novemberpogroms 1938 zum Rathaus. Das taten sie auch und verbreiteten Furcht und Schrecken unter der jüdischen Bevölkerung. Die Berater des Stadtrats empfahlen die Beibehaltung der Ehrung Stoelkers, da "hier auch bei ihm die Unschuldsvermutung gelte", so eines der Argumente. Er habe nicht wissen können, welche Auswirkungen das habe.

Mindestens ebenso fadenscheinig ist die Begründung in Offenburg. Obwohl bekannt war, dass Hindenburg nicht nur ein Reaktionär und Lügner, sondern auch korrupt war und den größten Verbrecher der Menschheitsgeschichte ins Amt gesetzt hatte, würde es ausreichen dem Straßennamen einen Zusatz anzuhängen. Der Vorteil wäre, dass dadurch die Diskussion erhalten bliebe.

In beiden Fällen sind das Versuche, die unheimliche Vergangenheit elegant unter dem Teppich ruhen zu lassen. So etwas darf nicht gelingen. Das Argument, durch den Zusatz und die Informationen mit dem QR-Code würde die Diskussion angeregt, ist lachhaft, zumal die Informationen unzureichend sind. Kein Wort zum Beispiel von der Ostlandhilfe. Das ist alles andere als "salomonisch".

Beim damaligen Beschluss stärkste Fraktion im Offenburger Stadtrat war die CDU. Da war ihre Vorgängerin, das Zentrum, tapferer. Dass sie am 12. Januar 1933 die Aufklärung des Missbrauchs der "Ostlandhilfe" durch Hindenburg und seine Junkerbande forderte, wurde bereits 1959 thematisiert in Bruno Buchtas Buch: Die Junker und die Weimarer Republik, jetzt neu in Dieter Hoffmanns Buch: Der Skandal. Hindenburgs Entscheidung für Hitler. Pikanterweise war die Verfasserin des Artikels im OT damals ebenfalls als CDU-Stadträtin an dem "salomonischen Beschluss" beteiligt.

Der "Vorwärts" (Zeitung der SPD) schrieb am 9. Februar 1933, dass die Nazis "jede Kontrolle über die Osthilfegewinner" ausgeschaltet hätten. Den Vorwärts gab es dann nicht mehr lange. Ein Untersuchungsausschuss wurde durch die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler verhindert. Manchmal ist Geschichte banal. Im August 1933 schenkten Hitler und Göring der Familie Hindenburg ein Gut mit 5000 Morgen – steuerfrei.Die Diskussion muss weitergehen. Ehre wem Ehre gebührt. Aber wenn jemand geehrt bleibt der das nicht verdient, auf wen fällt dann die Unehre zurück? Ehrt endlich mal eine Frau von Format.