Leserbriefe

Fritz Merkle (Bad Krozingen)

Von Fritz Merkle (Bad Krozingen)

Mo, 03. Mai 2021

Bad Krozingen

AUTOS AUF BERNHARDUSBRÜCKE
Klimawende nur mit weniger Autos erreichbar
Zur Diskussion über die zukünftige Nutzung der neuen Bernhardusbrücke in Bad Krozingen (BZ vom 28. April) haben uns mehrere Leserbriefe erreicht:

Man reibt sich verwundert die Augen! Im Gemeinderat ging es am Montag, 26. April, um die verkehrliche Einstufung der neuen Bernhardusbrücke zwischen Bahnhofs- (Fußgängerzone) und Gartenstraße. Da stimmen CDU und FDP plötzlich für einen Vorschlag, der laut Tagesordnung von der Verwaltung gar nicht vorgesehen war, und entscheiden sich mit der Stimme von KBF und des Bürgermeisters für den Vorrang für den Autoverkehr (MIV = Motorisierter Individual-Verkehr) mit 20 Stundenkilometern. Die Verwaltung hatte als guten Kompromiss 10 km/h vorgeschlagen. Volker Schmid plädierte zunächst engagiert und ausführlich für "Spielstraße" (Fachbegriff "325"), auf der alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt sind. Die Verwaltung hatte im Beschlussvorschlag die 10 km/h empfohlen, da der Status "Spielstraße" rechtliche Probleme bereite, worauf die Polizeibehörde in ihrer Stellungnahme hinwies. Diese Bedenken bezogen sich auf ein zu erwartendes hohes Verkehrsaufkommen. Hat man da noch Worte? Seit der Schließung der alten Brücke ist die Zeit für CDU und FDP wohl stehen geblieben. Hitzesommer mit Extremtemperaturen, die Erkenntnis, dass die Pariser Klimaziele nicht einzuhalten sind – in Südbaden haben wir nachweislich schon 2 Grad "geschafft"! Trockenheit und in der Folge massenhaft sterbende Bäume durch Borkenkäfer im Schwarzwald und die Erkenntnis, dass nur ein kurzes Zeitfenster bleibt, um schlimmste Folgen der Klimaerhitzung zu vermeiden. Die Klimaziele in Deutschland sind nur mit Maßnahmen auf allen Ebenen, insbesondere auch mit einer Mobilitätswende zu weniger Individualverkehr zu erreichen. Aber CDU, FDP beschließen zusammen mit dem Bürgermeister Vorrang für Verkehr auf der Monumentalbrücke, sie ist/wäre ja ein schöner, großer Bernhardus-Platz geworden. Beim Beschluss zu ihrem Bau wurde sie als Platz für Bewirtung und Entspannung angepriesen. "Vorwärts Bad Krozingen, wir rudern zurück", möchte man mit Staunen ausrufen – oder sollte es besser heißen "Vorwärts, Räte von Bad Krozingen, was gehen uns die Klimaziele der Bundesregierung oder gar von Paris an"!
Fritz Merkle, Bad Krozingen
Kompliziert und abenteuerlich
Die Brücke steht, die Einweihung im Mai ist fest ins Auge gefasst. Nun fehlt nur noch die Verkehrsregelung für eine "Vorfahrtsberechtigung der Querung" unter Aspekten von Sicherheits- und Haftungsfragen, sowie die Umsetzung der Vorstellung, den Bereich zu einem gewünschten "Verweilort einer attraktiven Innenstadt für Bürger und Besucher" zu gestalten. Vieles auf einmal auf die Reihe zu bringen, ist keine leichte Aufgabe, zumal an der Brücke die Fußgängerzone Bahnhofstraße endet, und es gilt nach der Brücke die Fußgängerzone Lammplatz mit der verkehrstechnisch ausgewiesenen "Spielstraße § 325" verkehrstechnisch zu verbinden. Nun hat das Auto im Tempo 20 auf der Brücke "verkehrsregelnden Vorrang" inmitten der vorrangigen Fuß- und Radfahrerberechtigungen! Kompliziert und abenteuerlich! Die einfachste Lösung wäre eine Fußgängerzone: Zumal in weiser Voraussicht des Gemeinderats die Brücke für Querung von Autos ausgelegt wurde, wobei sich dies auf das Notwendigste wie Anlieger, Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst/Notarzt, Abfalldienst, Bürgerbus, Taxi beschränken sollte. War dies bei Bürgern und einigen Räten so angedacht? Es war in den vergangenen Erörterungen kein mehrheitliches, sondern eher ein interessengesteuertes Votum für den Autoverkehr für den Betrachter spürbar. Nach vollendeter Bauphase im Rathausbereich gilt es das Thema Fußgänger-Zone in der Innenstadt neu zu beurteilen, rechtzeitig ein entsprechendes Mobilitätskonzept Innenstadt vorzulegen und zu beschließen. Eine Bürgerbefragung mittels farblich gekennzeichneten Fragebogen an alle Bürger und speziell der Bewohner des betroffenen Mobilitätsbereichs dürften eine klare Beschlussfassung unterstützen. Durch vermehrte Wohnungen und die Innenstadtverdichtung wird dem auch Rechnung getragen. Wer nimmt nun diese Bürgerbefragung zur Innenstadt-Mobilität rechtzeitig in die Hand? Stadtverwaltung, Gemeinderat oder Bürger?
Michael Zimmermann, Bad Krozingen