Leserbriefe

Gerold Franke (Münstertal )

Von Gerold Franke (Münstertal )

Do, 19. November 2020

Münstertal

WASSERKRAFT

Ökologisch ist das kaum zu vertreten
Zum Beitrag über Wasserkraft am Neumagen (BZ vom 26. Oktober) schreibt ein Leser:

Strom für 400 Haushalte von der Kleinwasserkraftanlage (KWKA) Münstertal/Staufen am Neumagen dürfte wohl ein Wunsch der Betreiber und der 300 Anteilseigner der Bürgerbeteiligungs-Genossenschaft sein und, wenn überhaupt, an wie vielen Tagen bei den trockenen Sommern der letzten und wohl auch kommenden Jahre? Die Kraftwerke Kaiser KG beklagt sich über das lange Genehmigungsverfahren von angeblich 16 Jahren. Darin spiegelt sich doch, dass eine Genehmigung einer solchen KWKA ökologisch kaum zu vertreten ist; denn der Neumagen wurde auf einer Strecke von etwa 1,5 Kilometern ökologisch stark belastet. Hier nur zwei Beispiele von vielen, welche die Gewässerbelastung zeigen: a) Unterhalb der Wasserentnahmestelle fehlt auf 1500 Meter Wasser im Bach; Lebensraum von Tieren und Pflanzen am und im Bach geht verloren, da das Bachbett teils trockengelegt ist. b) Die abwärts wandernden Fische folgen der starken Strömung; diese führt in die Triebwerkskanäle – für größere Fische endet der Weg an den Rechen, für kleinere Fische, bis etwa 10 Zentimeter Länge, direkt in der Turbine, wo sie zerhackt werden. Fische schreien nicht, sie sterben lautlos. Der Plan, am Neumagen, auf der Gemarkung Staufen vom Sahlenbach bis zur ehemaligen Lang-Säge auf 1000 Meter eine zusätzliche KWKA zu bauen, zeigt deutlich, dass die Ökologie bei der Stadt Staufen – Gemeinderäten – und der Kaiser KG keine große Rolle spielt; Hauptsache der Profit stimmt. Ein Neubau von KWKA ist in der heutigen Zeit ökologisch nicht mehr vertretbar. Die kleinen Wasserkraftanlagen gleichen mit ihrem geringen Beitrag zur sauberen Energieerzeugung die Nachteile für die Natur nicht aus. Heute ist Renaturierung der Gewässer angesagt – wie dies in einigen Gemeinden bereits erfolgt. Bei entsprechenden Projekten würden deshalb vom Land Baden-Württemberg bis zu 85 Prozent der Kosten getragen, für den Rest können zusätzlich ÖKO-Punkte gesammelt werden.
Zur geringen wirtschaftlichen Bedeutung der KWKA in Baden-Württemberg: Die 1700 KWKA in Baden-Württemberg mit einer Leistung von je unter 1 Mega-Watt tragen nur mit etwa 0,5 Prozent zur Gesamtbruttostromerzeugung bei, greifen jedoch massiv in die Natur ein. Die große Turbine des Rheinkraftwerkes Iffezheim mit 38 MW Leistung bringt mehr Energie als sämtliche Kleinwasserkraftanlagen des Schwarzwaldes zusammen.
Eine kritische Berichterstattung der BZ wäre angebracht. Gerold Franke, Münstertal