Leserbriefe

Stefan Kech

Von Stefan Kech (Ewattingen)

Do, 17. September 2020

Wutach

HALLENBAD WUTACH
Zuschuss für die Badewanne
Zur Berichterstattung über den Gemeinderatsbeschluss, das Hallenbad in Ewattingen zu öffnen (BZ vom 12. September) erreichte uns folgende Leserzuschrift:
Dass die Uhren in Wutach anders als vielerorts ticken, wenn es um das Hallenbad geht, ist hinlänglich bekannt, doch die jüngste Entscheidung des Gemeinderats lässt nun doch richtig staunen. Das Badeparadies soll also auch in Corona-Zeiten offen stehen, wenngleich nur maximal acht! Personen sich gleichzeitig darin tummeln dürfen.
Acht Personen – man fragt sich bei dieser Zahl, ab wann selbst für jene fünf Gemeinderäte, die für eine Öffnung votiert haben, die kritische Größe erreicht gewesen wäre, bei der selbst sie eine Schließung als sinnvoll erachtet hätten. Bei fünf? Oder zwei? Nein, eigentlich fragt man sich nicht, denn klarer konnte ein Beschluss nicht belegen, dass es dabei nicht um Sinn und Sache, sondern um Ideologie geht. Die viel zitierte Frequentierung der Einrichtung spielt keine Rolle, das Schwimmbad muss offen bleiben, koste es, was es wolle.
Das ist aus gleich zwei Gründen bemerkenswert: Zum einen leistet sich eine der kleinsten Gemeinden ganz Deutschlands einen Luxus, den sich selbst in normalen Zeiten und vor allem während der Pandemie immer weniger Kommunen gönnen. Zum andern werden gerade Gemeinderat und Verwaltung bei anderen Projekten nie müde zu betonen, wie bescheiden Wutach doch mit irdischen Gütern gesegnet sei. Und nun darf die Allgemeinheit den Betrieb eines Schwimmbades finanzieren, deren Nutzen kaum jenen einer üppigen Badewanne übersteigt. Bei deutlich höheren Kosten, denn die zwingend vorgeschriebenen Hygiene- und Schutzmaßnahmen treiben diese ordentlich nach oben. Das zwangsläufig weiter massiv anwachsende Minus mit einem lässigen "Schwimmbäder sind immer ein Defizitgeschäft" abzutun, ist eine Einstellung, die man sich leisten können muss.
Kann sich Wutach diese Einstellung leisten? Diese Frage muss sich ganz besonderes jenes Quintett am Ratstisch stellen, das für die Öffnung stimmte. Und daran wird es gerade bei künftigen Anliegen oder Aufgaben gemessen. Denn eines sollte man als Bürger auch in Wutach erwarten dürfen: ein zumindest annähernd gleiches Bewerten von Wohl und Wehe, von Nutzen und Aufwand. Wenigstens ein bisschen sollten die Uhren für alle gleich getaktet sein.

Stefan Kech, Ewattingen