LESETIPP: Die Story eines Lügners

Jannik Jürgens

Von Jannik Jürgens

Sa, 01. August 2020

Literatur & Vorträge

Wenn Sie keine Fußnoten mögen, dann ist dieses Buch wahrscheinlich nichts für Sie. Wenn doch, sei Ihnen Benjamin Quaderers Debütroman wärmstens ans Herz gelegt. Der liechtensteinische Schriftsteller erzählt den atemberaubenden Fall eines Hochstaplers: Johann Kaiser, der sich später Hilti nennt, entstammt einfachen Verhältnissen und erschwindelt sich durch den Verkauf gestohlener Bankdaten ein Vermögen. Dadurch wird er zum Weltenbummler und zum Staatsfeind. Auch wenn es ein kleiner Staat ist, dessen Feind er geworden ist, verkomplizieren sich Kaisers Lebensumstände erheblich. Auf der Flucht ist das einzige, was ihm bleibt, seine Geschichte. Und die beschreibt der zwielichtige Erzähler so raffiniert, dass der Leser oft nicht weiß, was stimmt und was nicht. Das macht den Reiz dieses Werks aus. Die Fußnoten, in denen ganze Passagen gehalten sind, setzt der Autor ein, um mit der Wahrheit zu spielen. Dazu kommen eine erfrischende Schreibe, die kontroverse und entlarvende Verhandlung des Heimatbegriffes und natürlich die große Frage nach Moral und Geld. Amüsant, unterhaltsam und hintergründig erzählt.

Benjamin Quaderer: Für immer die Alpen. Roman. Luchterhand Literaturverlag, München 2020. 592 Seiten, 22 Euro.