LESETIPP: Irgendwo im Westerwald

Claudia Müller, Redaktion Breisach

Von Claudia Müller & Redaktion Breisach

Sa, 01. August 2020

Literatur & Vorträge

Ein Okapi ist ein eigenartiges Tier und es steht im Mittelpunkt des Romans "Was man von hier aus sehen kann" von Mariana Leky. Der sanfte Pflanzenfresser, der ausschaut wie eine Kreuzung aus Zebra und Giraffe, ist in Lekys skurril-warmherzigen Liebesgeschichte ein Todesbote und das obendrein irgendwo im Westerwald. Immer nämlich wenn Selma, die Großmutter der Ich-Erzählerin, von einem Okapi träumt, wird demnächst einer der Dorfbewohner sterben. Damit ist bereits im Kleinen gesagt, was Lekys Roman ausmacht: Ein Zueinanderfinden der abwegigsten Dinge, eine Vorliebe für prägnante Bilder und Sprachbilder sowie ein magischer Realismus, der immer wieder mitten in den dörflichen Alltag platzt. Der hervorragend konstruierte Roman bereitet ungetrübte Lesefreude und wartet mit einem Sprachwitz auf, der die einzelnen Sätze an den unerwartetsten Stellen ziert und einfach hinreißend ist. Und, sehr passend für diesen Urlaubssommer, beantwortet er nebenbei die Frage, wie weit man eigentlich in die Welt hinaus muss, um bei sich selbst anzukommen.

Mariana Leky: Was man von hier aus sehen kann. Roman. Dumont Buchverlag, Göttingen 2014. 320 Seiten, 20 Euro.