LESETIPP: Von Augstein bis Zuckmayer

Annika Sindlinger, Emmendingen

Von Annika Sindlinger & Emmendingen

Sa, 01. August 2020

Literatur & Vorträge

Eine Chefetage voll rauchender und Whisky trinkender Männer mit einem gewaltigen Ego, deren Frauen zuhause den Haushalt schmeißen – das ist die Welt von Heide Sommer als sie 1963, gerade 22, als Sekretärin bei der Zeit anfängt. Sie wächst mit ihren Aufgaben, mit ihren Chefs. Sie wird Sekretärin von Carl Zuckmayer in der Schweiz, von Joachim Fest, Günter Gaus und Rudolf Augstein beim Spiegel, arbeitet für Fritz J. Raddatz, für Loki und Helmut Schmidt. Sie ist Sekretärin aus Berufung, steht gerne in der zweiten Reihe. Sie ist eine Wunscherfüllerin, auch wenn sich die Männer aus heutiger Sicht Unmögliches erlauben. Sie steht ihnen trotzdem mit Rat zur Seite und führt im Hintergrund die Regie. Ihr Buch ist ein unterhaltsamer Sprung in eine andere Zeit, geschrieben von einer emanzipierten Frau, die weiß was sie will, aber die Hochachtung vor "ihren Männern" nie verliert. Amüsant schildert sie Anekdoten aus 50 Jahren als rechte Hand mächtiger Männer.

Heide Sommer: Lassen Sie mich mal machen: Fünf Jahrzehnte als Sekretärin berühmter Männer. Ullstein Buchverlage, Berlin 2019, 256 Seiten; 22 Euro
.