Tabu-Thema

Auch Führungskräfte leiden unter Ängsten

Eva Tenzer

Von Eva Tenzer

Mo, 01. Februar 2016 um 08:42 Uhr

Liebe & Familie

Hartmut Ostrowski war Chef von Bertelsmann, bis er 2011 freiwillig ausstieg. Was er über seine Zeit als Chef von über 100.000 Mitarbeitern berichtet, klingt ungewöhnlich.

Über Jahre hinweg litt er an Ängsten, fühlte sich müde und ausgebrannt. "Es war eine sehr schwierige Zeit, eine Belastung, die dann auch zu psychosomatischen Problemen führte. Zum Beispiel in Form von Beklemmungsgefühlen, Herzklopfen, Angstzuständen, bis hin zu Panikattacken. Die Herausforderung als Manager besteht darin, dass man das sozusagen bei laufenden Motoren in den Griff bekommen muss. Ich musste Vorstandssitzungen leiten, ohne mir etwas anmerken zu lassen", verriet er dem Wirtschaftsmagazin brand eins im Interview.

Auch andere hochrangige Manager kratzen in letzter Zeit am verbreiteten Bild des stets starken, beherrschten, unverletzbaren Chefs. In der Schweiz erregten gar mehrere Suizide bekannter Spitzenführungskräfte Aufsehen: Carsten Schloter, Chef der Swisscom, Pierre Wauthier, Finanzvorstand der Zurich Insurance Group, Adrian Kohler, Chef des Bonbon-Herstellers Ricola, und Alex Widmer, Chef der Bank Julius Bär, nahmen sich das Leben. Auch in Japan und den USA gab es Selbstmorde, der prominenteste hierzulande war der des Pharmaunternehmers Adolf Merckle.

In vielen Ländern diskutiert man deshalb verstärkt die emotionalen Belastungen von Führungspositionen. Denn die Suizide sind nur die Spitze des Eisbergs. Viele Chefs entgehen dem extremen Druck durch den Rückzug in weniger exponierte Positionen, wie Ostrowski, oder sogar komplett ins Privatleben. Die Mehrheit bleibt an Bord und muss mit den Ängsten leben. Das widerspricht dem Bild des nervenstarken Machers, der über ...

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