Konjunkturlage

Lockdowns und Rohstoffpreise machen dem Handwerk in Südbaden zu schaffen

Stefan Ammann

Von Stefan Ammann

Mo, 19. April 2021 um 18:06 Uhr

Wirtschaft

Mehr als die Hälfte der südbadischen Handwerksbetriebe hat im ersten Quartal 2021 weniger Umsatz gemacht. Trotzdem hofft die Handwerkskammer Freiburg auf eine Besserung in den nächsten Monaten.

Das Handwerk in Südbaden hat im ersten Quartal 2021 in fast allen Sparten weniger Aufträge und Umsatz verbucht. Trotz der Krise hofft die Handwerkskammer Freiburg aber auf eine Besserung in den nächsten Wochen. Die Pflicht, in den Betrieben Corona-Tests anzubieten, sehen Vertreter des Handwerks kritisch. Sorgen machen ihnen auch die gestiegenen Rohstoffpreise, wie in einer Pressekonferenz der Handwerkskammer am Montag zu erfahren war.

31 Prozent der Handwerksbetriebe in Südbaden meldeten bei der vierteljährlichen Konjunkturumfrage Ende März eine schlechte Geschäftslage. 43 Prozent hatten weniger Aufträge und bei mehr als der Hälfte ist der Umsatz gesunken. Nur zwölf Prozent meldeten ein Umsatzplus.

Der zweite Lockdown geht an die Substanz

Besonders bei Dienstleistern wie Frisören und Kosmetikern sei die Lage alles andere als rosig, sagte Handirk von Ungern-Sternberg, Mitglied der Kammergeschäftsleitung. Aber auch Bäcker und Metzger hätten mit Einbußen beim Catering zu kämpfen. In der Bausparte waren verzögert erteilte Baugenehmigungen ein Problem. Ebenso machen die gestiegenen Rohstoffpreise den Handwerkern Sorgen. Bei Betonstahl lägen diese bei rund 30 Prozent, bei Holz gebe es Preissteigerungen von bis zu 100 Prozent.

"Wir brauchen eine Öffnungsperspektive und eine klare Ansage von der Politik, wie es weitergeht." Johannes Ullrich, Präsident der Handwerkskammer Freiburg
Der zweite Lockdown seit November 2020 gehe bei vielen Betrieben an die Substanz. "Wir rechnen mit Insolvenzen im dritten Quartal 2021", sagte Kammerpräsident Johannes Ullrich: "Wir brauchen eine Öffnungsperspektive und eine klare Ansage von der Politik, wie es weitergeht."

Trotzdem gebe es auch Lichtblicke. Die Umsatzerwartungen seien deutlich besser als noch vor einem Jahr. Die Betriebe erwarteten in den nächsten Monaten eine Verbesserung der Lage.

Rahmenvertrag mit Anbieter von Corona-Tests

Kritik übten die Handwerksvertreter an der neu eingeführten gesetzlichen Angebotspflicht für Corona-Tests am Arbeitsplatz. Als "Misstrauensvotum gegenüber unseren Betrieben" bezeichnet sie Kammerpräsident Ullrich. Die Testbereitschaft sei bei den Unternehmen gegeben – das läge schon im ureigenen Interesse, so Ullrich. Jedoch stelle die Regelung kleine und mittlere Betriebe vor große logistische Probleme.

Die Kammer habe deshalb einen Rahmenvertrag mit einem regionalen Testanbieter geschlossen, sagte Ungern-Sternberg. Darin sind Sonderkonditionen für Handwerksbetriebe und Schulungen zur Anwendung der Tests vereinbart. Laut einer Umfrage der Handwerkskammer in der vergangenen Woche testen 35 Prozent der Unternehmen ihre Mitarbeiter regelmäßig direkt im Betrieb. Zusätzlich nutzen weitere 20 bis 30 Prozent externe Möglichkeiten bei Apotheken, Hausärzten oder Testzentren.

Auch in der Krise sei die Bereitschaft zur Ausbildung bei den Mitgliedsbetrieben ungebremst, betonte Ullrich. Im vergangenen Jahr hatte es nur einen minimalen Rückgang von rund einem Prozent bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen gegeben. Ohne Berufsinformationsmessen sei die Nachwuchswerbung jedoch schwieriger, sagte Ullrich.
Die Handwerkskammer ist für die Stadt Freiburg sowie die Landkreise Breisgau-Hochschwarzwald, Emmendingen, Lörrach und den Ortenaukreis zuständig.