Lufthansa stützt Airbus

Rolf Obertreis und unseren Agenturen

Von Rolf Obertreis & unseren Agenturen

Do, 02. Juli 2020

Wirtschaft

Fluglinie kauft etliche neue Jets / Kritik an geplantem Stellenabbau beim europäischen Flugzeugbauer.

. Airbus übt angesichts der geplanten Strei

chung von fast 5100 Stellen in Deutschland Druck auf die Bundesregierung aus. Der Flugzeugbauer will eine Verlängerung der Kurzarbeitsregelung erreichen. Dabei würde der Jobabbau ohne das Rettungspaket des Bundes für Lufthansa vermutlich sogar noch drastischer ausfallen.

In der Rahmenvereinbarung über die neun Milliarden Euro Staatshilfe ist ausdrücklich festgehalten, dass Lufthansa ihrer "umweltpolitischen und ökologischen Verantwortung" weiter nachkommen wird. Deshalb werde das Unternehmen "insbesondere die emissionsreduzierende Erneuerung seiner Flotte trotz der gegenwärtigen Lage fortsetzen". Konkret heißt das: Von 2021 bis 2023 wird die Fluggesellschaft bis zu 80 neue verbrauchs- und damit emissionsärmere Flugzeuge kaufen. Da die Kranich-Linie rund zwei Drittel ihrer neuen Jets grundsätzlich bei Airbus bestellt – in diesem Fall wären es 55 –, stützt das den europäischen Flugzeugbauer.

Der Effekt dürfte sogar noch größer sein, da vor allem Kurz- und Mittelstreckenmaschinen vom Typ A 320 neo, von A 321 neo und Langstreckenjets vom Typ A 350 geordert wurden. Der jüngste Airbus A 350-900 mit der Registrierung D AIXQ und dem Namen Freiburg wird an diesem Donnerstag vom Airbus-Werk in Toulouse nach München geflogen und in den nächsten Tagen in Dienst gestellt. Laut Lufthansa-Chef Carsten Spohr sind derzeit bei keinem Hersteller Stornierungen von Flugzeugbestellungen, sondern lediglich Verschiebungen geplant. Für den drei Milliarden Euro schweren Hilfskredit der Staatsbank KfW im Rahmen des Rettungspakets muss die Lufthansa als Sicherheit 330 Jets "hinterlegen". Vor der Corona-Pandemie hatte Lufthansa für die Zeit zwischen 2020 und 2027 feste Bestellungen von knapp 200 Flugzeugen in den Büchern, davon rund 150 bei Airbus.

Unterdessen regt sich gegen den geplanten Stellenabbau Widerstand. Die Industriegewerkschaft Metall warnte Airbus vor einem "Kahlschlag". Weltweit will Airbus 15 000 Stellen streichen, davon 5000 in Frankreich, 1700 in Großbritannien und 900 in Spanien. Bis Sommer 2021 sollten weltweit elf Prozent der Belegschaft abgebaut werden, teilte der Konzern mit und schloss auch betriebsbedingte Kündigungen nicht aus. Wenn das Kurzarbeitergeld auf zwei Jahre verlängert werde, könne Airbus in Deutschland 1500 der 5100 gefährdeten Jobs in der Verkehrsflugzeugsparte erhalten, sagte Produktionschef Michael Schöllhorn in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Staatliche Forschungsgelder für die Entwicklung umweltfreundlicherer Flugzeuge könnten weitere 500 Stellen sichern. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) warnte vor einer Benachteiligung deutscher Standorte.