Vierte Welle

Luftwaffe hilft bei Verlegung von Corona-Patienten

Carsten Hoffmann, Michael Fischer, Dorothea Hülsmeier, Rolf Schraa

Von Carsten Hoffmann, Michael Fischer, Dorothea Hülsmeier, Rolf Schraa (dpa)

Fr, 26. November 2021 um 20:31 Uhr

Deutschland

Erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie müssen Intensivpatienten innerhalb Deutschlands verlegt werden. Daran beteiligt ist auch die Bundeswehr. Sie hält dafür zwei Flugzeuge der Luftwaffe bereit.

Die Luftwaffe der Bundeswehr beteiligt sich seit Freitag erstmals an der Verlegung von Corona-Intensivpatienten innerhalb Deutschlands. Ein Sanitätsflugzeug vom Typ A310 MedEvac holte am Freitagnachmittag aus dem bayerischen Memmingen sechs schwer Erkrankte nach Nordrhein-Westfalen – der Airbus A310 MedEvac kam gegen 17.30 Uhr in Greven an.

Auf diese Weise sollen die Krankenhäuser in von Corona besonders schwer betroffenen Regionen entlastet werden.In Nordrhein-Westfalen ist die Corona-Lage bei weitem nicht so schlimm wie in Bayern, einem der am stärksten betroffenen Bundesländer. Die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen liegt in NRW mit 274,2 deutlich unter dem Bundesschnitt (438,2). Nach den Zahlen vom Freitag hat das Land noch 362 Intensivbetten mit Beatmungsmöglichkeit für sehr schwere Fälle frei. "Bei uns ist die Situation so, dass wir helfen können, und das tun wir", sagte NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) im Landtag. "Das ist für Nordrhein-Westfalen selbstverständlich."



Für die Übernahme der Patienten war eine Rechtsänderung notwendig, die von Landesregierung und Landtag am Freitag im Blitztempo verabschiedet wurde. Die NRW-Krankenhäuser werden damit angewiesen, nach medizinischer Abwägung planbare Operationen zu verschieben, um Platz für schwer kranke Corona-Patienten auch von außerhalb zu schaffen. Wüst verwies darauf, dass eine Verschiebung planbarer Operationen Patienten viel abverlange. "Es ist eine gigantische Solidarleistung, die wir diesen Menschen jetzt abverlangen", sagte er.

"Kleeblatt-System" ist Grundlage für die Patientenverlegung

Die Bundeswehr beteiligt sich nun an der Verlegung von Patienten und hält dafür zwei Flugzeuge bereit: Einen Airbus A310 MedEvac – eine "fliegende Intensivstation" mit sechs Behandlungsplätzen – sowie das Überwachungsflugzeug A319OH. In Letzteres waren zwei Plätze zur Intensivbehandlung eingebaut worden. In Wunstorf (Niedersachsen) ist zudem ein A400M MedEvac stationiert.

Grundlage für den Einsatz ist das "Kleeblatt-System" für eine bundesweite Verteilung von Patienten aus einzelnen Regionen, in denen der Kollaps von Krankenhäusern droht. Eine Verlegung von Patienten mit anderen Erkrankungen ist nach einem Kriterienkatalog der Intensivmedizinervereinigung Divi nur in Ausnahmefällen vorgesehen. Das Konzept war im Frühjahr 2020 während der ersten Welle ins Leben gerufen worden.

Insgesamt sollen 50 bayerische Patienten in andere Bundesländer verlegt werden, rund 30 davon bis Sonntag. Aus Thüringen werden Patienten nach Niedersachsen gebracht. Mecklenburg-Vorpommern nimmt in den kommenden Tagen vier Intensivpatienten aus überlasteten Kliniken in Sachsen auf. Wie viele Bundeswehr-Flüge es geben wird, ist laut Verteidigungsministerium noch unklar.


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