Interview

"Man bemerkt, dass man etwas verändern kann"

ais

Von ais

Mi, 24. November 2021 um 20:00 Uhr

Grenzach-Wyhlen

Marius Kipfmüller aus Grenzach-Wyhlen ist Delegierter beim Bundeskongress der Jusos in Frankfurt am Main. Er erwartet, dass sich die Jusos besser aufstellen.

Dieses Wochenende, vom 26. bis zum 28. November, findet der Bundeskongress der Jusos in Frankfurt statt. Dort soll dann über Anträge für den Bundestag abgestimmt und ein neuer Bundesvorstand gewählt werden. Marius Kipfmüller, Ortsvorsitzender der Jusos und der SPD Grenzach-Wyhlen, wird die Jusos Baden-Württemberg dabei vertreten. Sophia Kaiser sprach mit ihm über seine Erwartungen an den Kongress und warum er als Vertreter ausgewählt wurde.

BZ: Herr Kipfmüller, wie kam es dazu, dass Sie die Jusos Baden-Württemberg beim Bundeskongress vertreten ?

Kipfmüller: Die Jusos sind in Regionen aufgeteilt. Es fängt in der kommunalen Ebene bei den Ortsgruppen und den Kreisverbänden an. Anschließend gibt es die Landesverbände. In Baden-Württemberg ist das höchste Gremium die Landesdelegiertenkonferenz (kurz LDK), diese findet jährlich statt. Jeder Kreisverband kann nach Mitgliedergröße Delegierte für die LDK wählen, als Kreisverband Lörrach haben wir drei von 150 Delegierten. Während der LDK beschließen wir Anträge für den Land- und Bundestag, innerparteiliche Anträge, und es werden ein neuer Landesvorstand und die Delegierten für den Bundeskongress der Jusos gewählt. Der Bundeskongress ist das höchste Gremium der Bundes-Jusos. Es gibt insgesamt 300 Delegierte, die durch die Mitgliedergröße der Landesverbände aufgeteilt sind. Baden-Württemberg ist der drittgrößte Landesverband. Für den kann jedes Juso-Mitglied aus Baden-Württemberg kandidieren. Es gab dann insgesamt 52 Kandidaten für die 26 Plätze.

BZ: Nach welchen Kriterien wurden dann die Kandidaten gewählt?

Kipfmüller: Es ist ein normaler Stimmzettel, auf dem alle Delegierten gelistet sind, die zur Wahl stehen. Jeder der 150 Delegierten der Jusos Baden-Württemberg hat dann maximal 26, minimal 13 Stimmen und kann wählen. Seit 2020 bin ich auf Landesebene aktiv und für die Jusos Lörrach war ich mehrmals beim Landesausschuss der Jusos Baden-Württemberg, dem zweitwichtigsten Gremium der Jusos Baden-Württemberg. Ich habe an vielen Anträgen für die jetzige Landesdelegiertenkonferenz mitgearbeitet und war einige Male am Redepult. Es kannten mich also einige schon, hatten Vertrauen in mich und haben mich gewählt.

"Wir werden damit nicht komplett durchkommen, auch da das Corona-Setting ein bisschen anders aussieht."

BZ: Welche Schwerpunkte setzen Sie für den Kongress?

Kipfmüller: Beim Bundeskongress ist es so, dass jeder Landesverband Anträge stellen kann. Das Antragsbuch umfasst 131 Anträge, das ist sehr viel. Wir werden damit nicht komplett durchkommen, auch da das Corona-Setting ein bisschen anders aussieht. Der Bundeskongress wird in einer hybriden Form stattfinden, das heißt, ich bleibe in Grenzach-Wyhlen vor meinem Tablet. In Baden-Württemberg läuft es so, dass wir Arbeitsgemeinschaften eingeteilt haben, die die Anträge durchgehen und bearbeiten. Ich war in den Gruppen Beschäftigung und gute Arbeit, Umwelt, Verkehr und Netzpolitik. Ich habe mit anderen Delegierten der Jusos Baden-Württemberg die Anträge durchgeschaut und bewertet, inwieweit wir da im Land mitgehen können oder wo es Verbesserungspotenzial gibt.

BZ: Wenn ein Antrag genehmigt wird, wie läuft das Verfahren dann weiter?
Kipfmüller:
In der Regel ist es so, dass die Anträge an jemanden gerichtet sind. Wenn es etwas Inhaltliches ist, geht es in erster Linie über das Bundesbüro der Jusos an die Bundestagsfraktion der SPD. Es gibt aber auch Anträge, die innerparteiliche Strukturen haben, also Parteigelder oder Mitarbeiter betreffen. Die werden dann an den Bundesparteitag der SPD weitergereicht.

BZ: Was sind Ihre Erwartungen an den Kongress?

Kipfmüller: Es ist mein erster Bundeskongress, das heißt ich schaue mir in erster Linie mal an, wie so etwas abläuft. Es ist natürlich schade, dass es jetzt nur in hybrider Form stattfinden wird, aber wegen der Infektionszahlen ist das natürlich die einzig richtige Entscheidung. Die Erwartung, die ich habe, ist, dass sich die Jusos besser aufstellen. Wir müssen uns als Verband klar werden, was wir mit unseren Juso-Bundestagsabgeordneten machen, wie wir sie unterstützen können. Das betrifft uns auch als Kreisverband mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten Takis Mehmet Ali. Wir müssen es außerdem schaffen, den Umweltschutz zu verbessern. Es gibt einen Antrag von Baden-Württemberg, dass die SPD das 1,5 Grad- Ziel erreicht, da hoffe ich sehr auf eine Annahme.

"Ich wurde von meinem Vater für Politik begeistert."

BZ: Wieso haben Sie sich 2018 entschieden, sich politisch zu engagieren?

Kipfmüller:
Ich wurde von meinem Vater für Politik begeistert. Als ich elf Jahre alt war, habe ich abends öfter mit ihm zusammen politische Talkshows geschaut und mich mit ihm darüber ausgetauscht. Er ist auch selbst seit 30 Jahren SPD-Mitglied. Es hat also bestimmt geholfen, dass er positiv von der Partei gesprochen hat. Gerade auf kommunaler Ebene macht mir Politik viel Spaß und ich habe durch die Parteimitgliedschaft neue Freunde gefunden. Man bemerkt, dass man etwas verändern kann. Auch gerade jetzt, wo die SPD auf so einem hohen Stand ist, motiviert das noch einmal mehr, sich einzusetzen.
Zur Person:

Marius Kipfmüller ist 20 Jahre alt, seit November 2018 bei den Jusos und seit März 2020 Kreisvorsitzender der Jusos Lörrach. Seit Anfang 2019 ist er SPD-Mitglied, seit September 2020 Vorsitzender der Jusos und auch der SPD-Ortsgruppe in Grenzach-Wyhlen. Gerade absolviert er für sein geplantes Studium der Sozialen Arbeit ein Praktikum im Jugendamt Lörrach.