Möglicher Merkel-Nachfolger?

Markus Söder geht in der Krise voran – reicht das fürs Kanzleramt?

Patrick Guyton

Von Patrick Guyton

Fr, 22. Mai 2020 um 18:17 Uhr

Deutschland

Der CSU-Chef gibt in der Corona-Krise den Takt vor. Was Söder in München entschied, schauten sich die restlichen Bundesländer ab. Traut sich Bayerns Ministerpräsident jetzt das Kanzleramt zu?

"Maischberger " am Mittwochabend. Zugeschaltet aus Nürnberg ist – natürlich Markus Söder. Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef spricht von seinem "konsequenten Ansatz" bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie. Dass im Freistaat das öffentliche Leben früher heruntergefahren wurde als im Rest der Republik, und dass nun alles später öffnet.

Söder erscheint in diesen Wochen und Monaten als allgegenwärtig. In München gibt er Pressekonferenzen am laufenden Band, in Berlin wirkt er als zumindest ebenbürtig mit Kanzlerin Angela Merkel im Koalitionsausschuss und bei der Ministerpräsidentenkonferenz, im Fernsehen ist er omnipräsent. Selbstverständlich wird auch der an diesem Freitagabend stattfindende virtuelle Mini-Parteitag der CSU von dem Franken dominiert sein. Parteichef Söder hält eine Rede, einstimmig wird ein großes Wirtschaftshilfspaket beschlossen, vielleicht singen manche Mitglieder Bayern-Hymne und Deutschlandlied alleine vor dem PC vor sich hin, Ende der Veranstaltung.

In der Krise ein Profil entwickelt, das bundesweit ausstrahlt

Der Bayern-Lenker Söder hat sich bundesweit an die Spitze im Kampf gegen das Virus gestellt. Er gab in München die Dinge vor, die wenige Tage oder gar Stunden später mit kleineren Abweichungen für ganz Deutschland galten – Ausgangsbeschränkungen, Schließungen von Schulen, Läden, Hotels, Gastronomie. Markus Söder hat in der Krise ein Profil entwickelt, das auch bundesweit ausstrahlt.

Doch im Laufe der Corona-Zeit seit Mitte März haben sich auch Gegner seines harten Kurses herauskristallisiert, allen voran Armin Laschet, Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen, Bewerber für den CDU-Vorsitz und damit auch Aspirant für die Unions-Kanzlerkandidatur.

"Ich habe viele Ideen, und ich bin ziemlich schnell", hatte Söder mal im Gespräch gesagt. Seit jeher geht ihm vieles zu langsam, Ungeduld war schon immer eine seiner hervorstechenden Charaktereigenschaften. 1994 wurde er mit 27 Jahren der jüngste bayerische Landtagsabgeordnete und stieg schnell auf. Ungeduldig bis in die Haarspitzen arbeitete er – teils mit Intrige und Brechstange – daran, Horst Seehofer als Ministerpräsident abzulösen. Am 16. März 2018 war es soweit, die CSU-Landtagsfraktion wählte Markus Söder mit all ihren Stimmen zum neuen obersten Bayern.

Markus Söder ist eine eine wandelnde Ich-AG

Diesem Politiker ist es ungemein wichtig, wer den ersten Platz besetzt. Nimmt er diese Position unumstritten ein, kann er der umgänglichste Mensch sein, dann strahlt er Seriosität und Verantwortung aus. Markus Söder ist ein Verkaufstalent, eine wandelnde Ich-AG. In der Vergangenheit wirkte er dabei aber auf viele als zu windig und zu breitbeinig auftretend. Alles von ihm Gemachte sollte größer und bedeutender sein als die Dinge, die es zuvor gab. Und sei es, beispielsweise, dass das Heimatministerium als Anhängsel des Finanzressorts seinen Dienstsitz nicht in München, sondern in Nürnberg bezog. Mit der Corona-Krise hat Markus Söder nun tatsächlich eine historische Aufgabe erhalten.

Lange, lange blieb ihm die Sympathie der Bevölkerung verwehrt. Markus Söder galt als Fiesling, als skrupelloser Karrierist. Nun erhält er deutschlandweit überragende Werte. In der ersten Aprilhälfte waren gar 94 Prozent der Bürger im Freistaat mit seiner Arbeit zufrieden – eine Zustimmung, die noch nie ein Politiker erreichte. Beste Werte auch für eine CDU/CSU-Kanzlerkandidatur, das weiß Söder selbst. Wer sich bewährt bei der Lösung der fundamentalen Corona-Krise, dem traut man auch Kanzler zu.

Im sonstigen Bewerberfeld sieht es eher mau aus: Friedrich Merz dümpelt ohne Amt völlig im Abseits. Söder will ihn verhindern, weil er ihn als Mann von vorgestern sieht. Norbert Röttgen taucht kaum mehr auf. Bleibt Armin Laschet als Rivale. Söder würde gerne von breiteren Teilen der Union gerufen werden – und das ist auch die Voraussetzung. Doch das Risiko wäre nicht klein: Noch nie hat es einer von der CSU ins Kanzleramt geschafft. Bayern wäre für Söder viel sicherer, womöglich kann er von München aus auch genauso viel erreichen wie direkt in Berlin. Andererseits: "Bundeskanzler Söder" ist eine magische Wortkombination. Ob er es wagen will, weiß er momentan selbst noch nicht.

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