One Billion Rising

Mehr als 500 Menschen tanzen gegen Gewalt an Frauen in Freiburg

Carolin Buchheim, Anika Maldacker

Von Carolin Buchheim & Anika Maldacker

Do, 14. Februar 2019 um 18:40 Uhr

Freiburg

Mehr als 500 Menschen setzen am Valentinstag mit "One Billion Rising" ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen. Zum siebten Mal organisierte Frauenhorizonte den Flashmob, der weltweit getanzt wird.

Zum siebten Mal haben Freiburgerinnen und Freiburger im Rahmen der weltweiten Aktion "One Billion Rising" tanzend auf Gewalt gegen Frauen hingewiesen. So groß wie diesmal war es noch nie: Mehr als 500 Menschen tanzten auf dem Platz der Alten Synagoge.

Der erste Eindruck

Zwischen dem erhabenen Stadttheater, der funkelnden Unibibliothek und dem schnödem Kollegiengebäude II übt schon um kurz vor fünf auf dem Platz der Alten Synagoge eine Menge eifrig eine Tanzchoreografie. Hinter der UB schickt die Abendsonne ihre letzten Strahlen aus. Wenn die mehr als 500 Tänzerinnen und Tänzer später im Flashmob die Hände in die Luft recken, wird es aussehen, als fingen sie die letzten Strahlen ein.

Die Crowd

Große, kleine, alte, junge Frauen sind gekommen. Manche tragen rote Kleidung, manche die pinkfarbene Mützen des Women’s March 2017, manche haben Transparente dabei. Die vielen jungen Teilnehmerinnen haben einen Grund: "Wir haben in diesem Jahr erstmals gezielt Schulen angesprochen", sagt Pia Kuchenmüller von der Beratungsstelle Frauenhorizonte. Mit zwölf Schulen wurde zusammengearbeitet. Das Ziel: die Kinder für das Thema Gewalt zu sensibilisieren. "Die Kleinsten waren Dritt- und Viertklässler der Hebelschule."

Der Schreckmoment

Kurz bevor es losgeht, streikt das Smartphone von Pia Kuchenmüller. Das hätte eigentlich für den Song sorgen sollte. "Zum Glück hatten noch fünf andere Frauen den Song heruntergeladen und dabei!", sagt sie.

Der Tanz und seine Botschaft

Ein Schritt rechts, ein Schritt links, in die Hände geklatscht. So schwierig sind die Schritte nicht. Doch für Ungeübte, die zum ersten Mal teilnehmen, ist’s trotzdem ein bisschen knifflig. Aber so genau nimmt es in der Menge keiner, Ausrutscher sind nur ein Grund mehr zu lachen. Die Botschaft zählt. Und die Botschaft dieses Tanzflashmobs hat es in sich: Denn wie eine Demonstration, als die die Veranstaltung auch angemeldet ist, will sie ein Zeichen setzen. "Wir tanzen, um laut Nein zu sagen", sagte die Frauenbeauftragte der Stadt, Simone Thomas, direkt vor dem Tanz übers Megaphon. Zu oft noch würden Frauen den Grund für Gewalterfahrungen bei sich suchen. Sie spricht die Gruppenvergewaltigung im vergangenen Herbst an, die mehreren Hundert Einsätze der Polizei wegen Gewalt gegen Frauen in Freiburg. Weltweit würde die Hälfte aller Frauen, die Mordopfer würden, von Partnern oder Ex-Partnern getötet. Der Tanz soll ein Appell dagegen sein: "Ich tanze, weil’s mir reicht/Ich tanze, um die Schreie zu stoppen/Ich tanze, um Regeln zu brechen/Ich tanze, um den Schmerz zu beenden", heißt es auf Englisch im Song "Break the Chain".

Die Pläne für die Zukunft

Direkt nach dem Tanz herrscht bei den Organisatorinnen große Freude über die große Teilnehmerzahl. "Nächstes Jahr brauchen wir auf jeden Fall eine größere Anlage!"
Hilfe für Frauen, die von sexualisierter Gewalt betroffen sind, bietet der Verein Frauenhorizonte.

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Disclosure:

In einer früheren Version des Artikels hieß es: "’Wir tanzen, um laut Nein zu sagen’, so Kuchenmüller direkt vor dem Tanz übers Megaphon." Den Satz sagte aber nicht Pia Kuchenmüller, sondern die Frauenbeauftragte der Stadt, Simone Thomas.