Hochschulen

Musikhochschule und Universität gründen ein gemeinsames Forschungs- und Lehrzentrum

Dominik Heißler

Von Dominik Heißler

Mi, 20. November 2019 um 16:50 Uhr

Freiburg

Mehr Austausch für die Studierenden der beiden Hochschulen: Darum geht’s bei der neuen Art der Kooperation. Und auch die Forschung soll profitieren.

Die Rektoren der Musikhochschule und der Universität haben vor kurzem einen Kooperationsvertrag unterschrieben und damit das gemeinsame Forschungs- und Lehrzentrum Musik, kurz FZM, gegründet. Anders als es der Begriff "Zentrum" suggeriert, gibt es dafür jedoch (noch) kein eigenes Gebäude: Universität und Musikhochschule verstärkten aber auf diesem Weg offiziell ihre Zusammenarbeit sowohl in der Lehre als auch in der Forschung.

"Das bietet Studierenden einen Austausch, den es vorher nicht gab", erklärt Claudia Spahn, Prorektorin für Forschung an der Musikhochschule und Leiterin des interdisziplinären Instituts für Musikermedizin. Spahn hat stark daran mitgearbeitet, dass dieser Vertrag zustande kommt.

Zentrum will in die Stadt und die Region hineinwirken

Die Studierenden der Universität können nun Seminare der Musikhochschule besuchen und bekommen diese auch angerechnet, umgekehrt gilt dies auch für die Studierenden der Musikhochschule. Zudem können Studierende das Hauptfach an der einen, das Nebenfach an der anderen Hochschule zu belegen. Dafür richtete die Musikhochschule die Nebenfächer Musikphysiologie, Gehörbildung und Musiktheorie neu ein. Belegbar sind sie im Rahmen der Zugangsvoraussetzungen, denn, so Spahn: "Man kann nicht etwa Geige, Klavier oder Klarinette studieren, wenn man diese Instrumente nicht sehr gut beherrscht."

Auch die Forschung profitiere, so Spahn. "Das Musikermedizininstitut forscht in der Musikphysiologie zusammen mit der Klaviermethodik an Übungsmethoden", nennt Spahn als ein Beispiel. Im FZM werde außerdem an der Digitalisierung künstlerischer Studiengänge gearbeitet oder die Musik im ländlichen Raum untersucht. Das FZM soll als Schnittstelle fungieren von Musikwissenschaft, Musiktheorie, Musikphysiologie/ Musikermedizin und Musikpädagogik. Kooperationen sind angedacht mit Fachgebieten wie Philosophie, Geschichte, Literaturwissenschaft, Ethnologie oder Informatik.

Der Trend zur Zusammenarbeit ist in Freiburg sichtbar: So bilden etwa die Pädagogische Hochschule, die Musikhochschule und die Universität in der "School of Education" angehende Lehrer aus. Das Institut für Musikermedizin wiederum ist seit seiner Gründung im Jahr 2005 eine gemeinsame Einrichtung der Musikhochschule, der Universität und des Universitätsklinikums.

"Das Zentrum will in die Stadt, in die Region hineinwirken." Claudia Spahn
Die Gründung des FZM geht auf eine Initiative der baden-württembergischen Wissenschaftsministerin Theresa Bauer zurück. "Musikhochschulen sollten Anträge stellen, welche Profilschwerpunkte sie sich vorstellen können", so Spahn. Idee der Musikhochschule war es, ein Zentrum zu bilden als "gemeinsame Einrichtung, in der die Lehrenden der Institutionen gemeinsame Forschungsprojekte entwickeln und die Studierenden interdisziplinär studieren können".

Das Wissenschaftsministerium finanziert bislang zwei Stellen. Die laufenden Verhandlungen über die Hochschulfinanzierung entscheiden, ob das FZM diese Stellen fest bekommt, und über das weitere Budget. Die Dozierenden des FZM sind die Dozierenden der beiden Institute, die ihre Kurse fortan auch für Studierende des jeweils anderen Instituts anbieten. Und die gemeinsam mit ihren Kollegen forschen und Kongresse veranstalten.

Das Dach des FZM ist – wie auch bei der "School of Education" – derzeit nur struktureller Natur. Ein tatsächliches Gebäude gibt es nicht. "Wir hoffen, dass wir eines bekommen", sagt Spahn. Derzeit bereiteten sie zusammen mit dem Freiburger Barockorchester ein Konzept vor, beantragten Gelder und sprächen mit der Stadt. "Das Zentrum will in die Stadt, in die Region hineinwirken", sagt sie, mit pädagogischer und wissenschaftlicher Arbeit, offen für alle Altersgruppen. Ein möglicher Standort sei die Stadthalle.