Kampf gegen Covid

Mehr Freiheiten für Geimpfte und Genesene ab Sonntag

dpa, rö

Von dpa & Joachim Röderer

Fr, 07. Mai 2021 um 20:54 Uhr

Deutschland

"Die dritte Welle scheint gebrochen" – sagt jetzt auch Gesundheitsminister Spahn. Der Bundesrat stimmt der Aufhebung von Corona-Einschränkungen für Geimpfte und Genesene zu.

Für Millionen Menschen, die gegen das Coronavirus voll geimpft sind oder nach einer Infektion als genesen gelten, fallen ab Sonntag viele Alltagsbeschränkungen weg. Nach dem Bundestag stimmte der Bundesrat der Verordnung zu, die Grundrechtseinschränkungen für diese Gruppen aufhebt. Indes beschwert sich der Chef des Freiburger Zentralen Impfzentrums (ZIZ), weniger Vakzin geliefert zu bekommen. Es drohten Absagen gebuchter Termine für die Erstimpfung.

"Die dritte Welle scheint gebrochen." Jens Spahn
Zu den Lockerungen sagte Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD): "Das ist ein ganz wichtiger Schritt hin zu mehr Normalität." Sie erläuterte, Geimpfte und Genesene (deren Infektion nicht länger als ein halbes Jahr zurückliegt) bräuchten keinen negativen Test mehr, wenn sie einkaufen oder zum Friseur gehen. Sie könnten sich im privaten Rahmen ohne Einschränkungen treffen. Ausgangsbeschränkungen gelten für sie nicht mehr. "Wenn die Infektionszahlen weiter sinken, werden zügig weitere Schritte folgen", sagte Lambrecht. Auch Geimpfte und Genesene müssen aber wie alle anderen weiter Masken an manchen Orten tragen und Abstand halten. Den vollständigen Impfschutz haben gut 7,5 Millionen Menschen in Deutschland.

Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft könnten die Lockerungen die Wirtschaft beleben. Allein von der Gruppe der Über-65-Jährigen würde ein monatlicher Konsumimpuls von vier Milliarden Euro ausgehen, wenn sie wieder so einkaufen und verreisen wie vor der Krise.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte zur Corona-Lage: "Die dritte Welle scheint gebrochen." Die Infektionszahlen gingen zurück, seien aber noch auf hohem Niveau. Nun müsse der Abwärtstrend verstetigt werden. "Das geht aber nicht mit vorschnellen Lockerungen." Bundesweit sank die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen laut Robert-Koch-Institut (RKI) auf 126 (vor einer Woche 153).

Freiburger Impfzentrum muss vielleicht Termine absagen

Um das Impftempo hochzuhalten, sollen kommende Woche eine Million Dosen des Astrazeneca-Vakzins an Arztpraxen geliefert werden, so Spahn. Für diesen Impfstoff ist die Impfreihenfolge aufgehoben. In Absprache mit dem Arzt kann man auch frei entscheiden, wann in der zugelassenen Spanne von vier bis zwölf Wochen die Zweitimpfung erfolgt. Der Minister betonte aber: "Die Wirksamkeit ist umso höher, desto länger der Abstand zwischen Erst- und Zweitimpfung ist." Viele wollten sich nun nicht mit Astrazeneca impfen lassen, da sie nach zwölf Wochen erst im August den vollen Impfschutz bekämen, sagte Spahn mit Blick auf die Urlaubszeit.

Während die Arztpraxen mehr Vakzin erhalten, kommt aus dem Freiburger ZIZ Kritik, weil dort der Impfstoff knapp wird. Das ZIZ muss von übernächster Woche an seine Kapazität drosseln – von 24.000 Impfungen pro Woche auf 14.000, sagte Chef Daniel Strowitzki. Unter Umständen müssten bereits gebuchte Termine für die Erstimpfung abgesagt werden. Angesichts der Tatsache, dass im landesweiten Vergleich der Impfquoten Teile Südbadens vorn liegen, äußerte Strowitzki die Vermutung: "Wir werden vom Ministerium bestraft, weil wir so gut sind."

Indes wird der Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson womöglich nur für Menschen ab 60 Jahren empfohlen. Die Ständige Impfkommission (Stiko) wolle diese Altersempfehlung am Montag geben, berichtete der Spiegel.