Baden-Württemberg-Check

Mehrheit der Bürger will nicht mehr Geld für Klimaschutz bezahlen

Ronny Gert Bürckholdt, Konstantin Görlich

Von Ronny Gert Bürckholdt & Konstantin Görlich

Mi, 17. November 2021 um 07:00 Uhr

Südwest

In der neuesten Umfrage der Tageszeitungen spricht sich die Mehrheit allgemein für mehr Klimaschutz in Baden-Württemberg aus. Dafür tiefer in die Tasche greifen wollen sie aber nicht.

Der BaWü-Check zeigt: Nur ein Viertel der Menschen im Südwesten zeigt sich bereit, für mehr Klimaschutz höhere Preise fürs Heizen oder fürs Autofahren zu zahlen. 53 Prozent der Bürger lehnen das demnach ausdrücklich ab.



Die Forscher schreiben: "Das hat ganz wesentlich damit zu tun, dass die Bevölkerung bereits heute davon ausgeht, dass die Energiepreise in Deutschland sehr hoch sind und sie somit ihren Beitrag seit Jahren leistet." Tatsächlich hatte eine Analyse der Verbraucherportals Verivox unter 145 Staaten ergeben, dass die Stromkunden nirgends mehr bezahlen.



Die Umfrage verdeutlicht auch die soziale Frage des Klimaschutzes. Von den jüngsten Preissteigerungen fühlten sich 53 Prozent der Gesamtbevölkerung stark belastet; bei den Menschen mit einem Haushaltsnettoeinkommen von unter 2000 Euro seien es 75 Prozent.



Und wer sich heute bereits stark finanziell beansprucht sehe, fürchte umso mehr steigende Energiepreise in der Zukunft.





Der aktuelle BaWü-Check beschäftigt sich auch mit dem Ergebnis der Bundestagswahl Ende September. Gerade ein gutes Drittel der Menschen zeigt sich damit zufrieden.



Die nächste Bundesregierung soll in den Augen der Bürger vor allem soziale Themen angehen wie ein stabiles Rentensystem und bezahlbare Mieten.



Der Klimaschutz ist den Menschen zwar auch wichtig, aber weniger wichtig als das Soziale. Eine klare Mehrheit spricht sich zudem gegen das Ende des Verbrennungsmotors im Jahr 2030 aus, vor allem die Menschen in den ländlich geprägten Regionen.



Die Menschen erwarten von der nächsten Bundesregierung, dass sie es als ihre vordringliche Aufgaben ansieht, für gesunde Sozialsysteme, zumutbare Mieten und ein stabiles Gesundheitssystem zu sorgen. Das ergab der jüngste BaWü-Check im Auftrag der südwestdeutschen Zeitungsverlage. Die Aufgaben sollten demnach ohne die Aufnahme neuer Schulden erledigt werden.



Auch wenn das Urteil über die designierte Kanzlerpartei SPD trotz ihres Wahlerfolgs im Bund ausgesprochen bescheiden ausfällt, wünschen sich mehr Bürger als im Sommer, dass die SPD im Land mitregiert.



Ein Bündnis mit Grünen und FDP in Stuttgart erzielt höhere Zustimmungswerte als die amtierende grün-schwarze Landesregierung.



Auch die Popularitätswerte des Ministerpräsidenten sinken: Nur noch 41 Prozent der Menschen fänden es gut, wenn Winfried Kretschmann (73/Grüne) bis zum Ende der regulären Legislatur im Amt bliebe, also bis 2026.


Die Umfrage der Tageszeitungen

Wie zufrieden sind die Menschen in Baden-Württemberg mit der Arbeit der Regierungen im Land und im Bund? Werden die richtigen Schwerpunkte gesetzt, wo wird nur geredet, wo wird gehandelt?

Das wollen die Tageszeitungen in Baden-Württemberg in ihrer gemeinsamen Umfrage, dem "BaWü-Check", genauer wissen – mit der mittlerweile siebten Auflage. Sie arbeiten dafür mit dem Institut für Demoskopie Allensbach (IfD) zusammen. Das IfD befragt regelmäßig im Auftrag der Tageszeitungen mehr als 1000 Menschen über 18 Jahren im Südwesten, um repräsentative Ergebnisse zu erhalten – in diesem Fall 1020 Bürgerinnen und Bürger zwischen dem 28. Oktober und dem 8. November.

Das IfD gehört zu den namhaftesten Umfrage-Instituten Deutschlands, auf den Rat der IfD-Chefin Renate Köcher greifen Vorstandsvorsitzende, Regierungschefs und Verbände zurück.

Die gedruckten Tageszeitungen in Baden-Württemberg erreichen jeden Tag mehr als fünf Millionen Menschen, hinzu kommen die Leserinnen und Leser auf den reichweitenstarken Online-Portalen der Tageszeitungen.