Mit bunt besprayten Zügen fing es an

Ulrich Senf

Von Ulrich Senf

Sa, 15. Juni 2019

Weil am Rhein

Zwei der bekanntesten Urban-Art Künstler erinnern auf der Fassade der Colab Gallery in Friedlingen an die Ursprünge ihrer Kunst.

WEIL AM RHEIN. Ein kleiner Junge sitzt auf einer Mauer und betrachtet ganz versunken einen Zug mit bunt besprayten Waggons, der an ihm vorbeifährt – mit dieser Szene verzieren seit Donnerstag die beiden Künstler SWET und CMP die Front der Colab Gallery in Friedlingen und erinnern an die Sprayer in New York, die anarchisch mit ihren Tags Straßenbahnen und Züge in farbenfrohe Kunstwerke verwandelten und damit einem neuen Lebensgefühl Ausdruck verliehen. In Weil geschieht das ganz legal – im Auftrag der Stadt, die damit die Reihe der Wandbilder in Friedlingen fortsetzt.

Die beiden Dänen SWET und CMP gehören mit zu den "Kings", den ungekrönten Königen der Urban-Art-Szene. Seit Jahren sind sie weltweit gefragt. Und doch fühlen sich die beiden in Weil am Rhein, speziell in Friedlingen fast am wohlsten, wie CMP zum Auftakt der Arbeit erklärt. Schon vor 13 Jahren gehörten sie zu den Künstlern, die die Colab Gallery mit aus der Taufe hoben. Was damals als schillerndes Kunstprojekt begann, noch abseits der Aufmerksamkeit, die die Streetart-Künstler heute begleitet, hat sich inzwischen zu einer der weltweit bekanntesten Adressen in der Urban-Art-Szene weiterentwickelt, freut sich Kurator Stefan Winterle. "Was wir hier machen, wie wir jungen Künstlern Raum schaffen, das wird in der Szene aufmerksam verfolgt", weiß er, auch wenn er zum Staunen vieler Fans immer wieder erklären muss, dass Weil am Rhein keine pulsierende Metropole wie New York oder Berlin ist – aber in Sachen Urban-Art eben nicht weniger vital daherkommt.

Dafür, dass die Urban-Art nicht nur im Umfeld der Gallery Beachtung findet, sorgt seit Jahren auch Kulturamtsleiter Tonio Paßlick. Mit der Fassadengestaltung hat die Stadt in Kooperation mit Stefan Winterle inzwischen das vierte Großgemälde initiiert. Als eine faszinierende Bereicherung des Stadtteils, die das besondere multikulturelle und weltoffene Lebensgefühl widerspiegeln, bezeichnet OB Dietz die Kunstwerke und versichert Kurator Winterle, dass die Stadt diese spezielle Reihe auch in den folgenden Jahren fortsetzen werde. Eingebunden ist die Kunstaktion, die heute, Samstag, noch hautnah mitverfolgt werden kann, erstmals in eine trinationale Aktion "Artyou". In Basel ebenso wie in St.Louis entstehen parallel zwei Urban-Art-Werke. Die Parallelität mit der Art in Basel ist dabei nicht zufällig. Sie dokumentiert, dass die Urban-Art längst den Weg in die Galerien gefunden hat und auf dem Kunstmarkt ebenso Beachtung findet wie andere Stilrichtungen.

Ihre Zusage, die Fassade der Colab Gallery zu bemalen, wollen die beiden Künstler denn auch als eine Huldigung an die Arbeit von Kurator Stefan Winterle und Kevin Reinhart, den Geschäftsführer der Gallery, verstanden wissen. Dass in Weil am Rhein bereits ein Raum für die Urban-Art bestand, als sie anderswo noch gar nicht als Kunst anerkannt wurde, sei ein Verdienst, der der gesamten Szene zugute kam, unterstreichen sie.

Das Dreiland-Kunstprojekt "Artyou" hat einen Shuttlebus, ein altes Schweizer Saurer-Postauto, eingesetzt, das bis zum 16. Juni jeweils zwischen 14 und 19 Uhr im Stundentakt an die verschiedenen Fassaden-Locations in Basel, den Claragraben 59, die Liste (Grenzacherstraße 65), die Artstübli Galerie (Steinentorberg 18) oder in St. Louis in die Cité Danzas sowie an die Weiler Colab Gallery pendelt.

Weitere Infos unter: http://www.artyou.ch