Energiekrise

Mit dieser App können Sie das Stromnetz in Baden-Württemberg entlasten

Konstantin Görlich

Von Konstantin Görlich

Do, 08. Dezember 2022 um 17:39 Uhr

Wirtschaft

Tipps zum Stromsparen gibt es genügend, aber auch gezielte Steuerung des Verbrauchs kann die Netze entlasten. Eine neue App soll das in Baden-Württemberg erleichtern. Doch noch fehlen die Nutzer.

Strom ist in Deutschland oft ungleich verteilt: Es fehlt an Hochspannungsleitungen, die die Energie aus dem windreichen Norden in den verbrauchsstarken Süden bringen. Zudem fehlen Speicherkapazitäten, denn es wird nicht immer genau dann viel Strom erzeugt, wenn viel gebraucht wird. In der aktuellen Energiekrise kann das Netz dabei häufiger die Belastungsgrenze erreichen, wenn nicht Reserven aus dem nahen Ausland zugekauft werden – was schnell teuer werden kann.
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Einen Beitrag zur Lösung dieser Probleme könnten die Stromverbraucher leisten, indem sie planbare Stromnutzungen aus Zeiten heraushalten, in denen zu wenig Strom da ist. Aber woher sollen die Menschen wissen, wann das sinnvoll ist?

Dafür gibt es jetzt die App "StromGedacht" für Android- und iOS-Smartphones. Herausgegeben hat sie Baden-Württembergs Stromnetzbetreiber TransnetBW. Im App-Store von Apple ist sie auf Platz zwei in der Charts der Kategorie Dienstprogramm – gleich nach der Katastrophen-Warn-App "Nina".

Sie zeigt anhand einer Ampelskala, wann die Stromversorgung gesichert ist (grün), wann Stromverbrauch möglichst vorverlegt werden sollte (gelb) und wann man den Verbrauch möglichst vermeiden sollte (rot) – und das sogar zwei Tage im Voraus. Am Mittwoch, 7. Dezember, gab es erstmals statt Dauergrün einen langen gelben und sogar einen kurzen roten Zeitraum.

Viel mehr App-Nutzer benötigt

Konkrete Stromabschaltungen seien zwar nicht zu befürchten gewesen, teilt TransnetBW mit. Die Farben signalisierten jedoch, "dass TransnetBW mehr als gewöhnlich dafür tun muss, das Stromnetz stabil zu halten." Die Hauptschaltleitung von TransnetBW habe demnach "mehr als 700 Megawatt für Redispatch-Maßnahmen im Ausland geordert. Damit sollte eine für Mittwoch zwischen 14 und 15 Uhr prognostizierte angespannte Netzsituation abgemildert werden." Entsprechend seien auch Vorverlagerungen und Vermeidungen sinnvoll gewesen.

Kann diese Warnung einen Unterschied gemacht haben? "Die App hat inzwischen an die 10.000 Nutzer", heißt es dazu auf BZ-Anfrage bei TransnetBW. Nicht viel in einem Bundesland mit über 11 Millionen Einwohnern – deren Privathaushalte zudem nur rund ein Viertel des Stromverbrauchs ausmachen. "Das zeigt, dass für einen spürbaren Effekt wirklich viele Menschen mitmachen müssen und macht gleichzeitig deutlich, dass alle einen Beitrag leisten können."