Mit Virtuosität und Spielfreude

Hildegard Karig

Von Hildegard Karig

Di, 12. November 2019

Denzlingen

Auftakt der Denzlinger Konzertreihe 2019/2020 mit Mozart, Brahms und Rachmaninov.

DENZLINGEN. Das erste Konzert innerhalb der Denzlinger Konzertreihe 2019/2020 fand am Freitag im Kultur- und Bürgerhaus statt. Timor Gasratov (Klavier) – dem Denzlinger Publikum seit vielen Jahren bekannt – Alexey Semenenko (Violine) und Alexey Stadler (Violoncello) hatten zu einem Trio zusammengefunden. Sie konzertierten an diesem Abend das erste Mal gemeinsam und nach kürzester Probenzeit mit Werken von Mozart, Rachmaninov und Brahms.

Aus den Lebensläufen der Musiker war heraus zu lesen, welche internationalen Erfolge, welch weites Erfahrungspotenzial an Wettbewerben, an solistischen und kammermusikalischen Auftritten sie mitbrachten. Schon die ersten Takte des Mozart-Trios vermittelten, dass sich die Musiker in ebenbürtiger Begeisterung, Virtuosität und Professionalität optimal entsprachen. Meisterhaft am jeweiligen Instrument, fanden sie zu einer kammermusikalischen Homogenität, die dem musikalischen Duktus der ausgesuchten Werke bestens gerecht wurde. Das Trio stellte neben zahlreiche Interpretationen der ausgewählten Werke an diesem Abend auch ganz individuelle. Vor allem im übereinstimmenden und einfühlsamen Verständnis für die Werke und deren Aussage faszinierte das Spiel in der konzentrierten und zugewandten Kommunikation. Neben aller Virtuosität bestachen die Spielfreude, das gegenseitige Inspirieren, das Zuwerfen von musikalischen Bällen und die Tonschönheit der beiden außergewöhnlichen Streichinstrumente, einer Stradivari-Geige von 1699 und eines Cellos aus dem Jahr 1715.

Das Mozart-Trio KV 502 zu Beginn war ausgelassen musiziert ohne ins Belanglose abzudriften. Ein Augenzwinkern schien zur Verständigung zu genügen. Streicher und Klavier wechselten sich in den konzertierenden Phasen ab, der dritte Satz rückte in die Nähe der Klavierkonzerte Mozarts. Eine ganz andere, düstere Atmosphäre dann in dem Trio élégiaque Nummer eins von Sergej Rachmaninov: melancholische dunkle Klänge, die sich zu expressiver orchestraler Fülle steigern, virtuos der Klavierpart, von Timur Gasratov extrem nuancierend gespielt. Die Musiker setzten die Möglichkeiten ihrer Instrumente faszinierend ein, um dem übersteigerten Charakter dieses Stückes Ausdruck zu geben, monumentale Expressivität, Tempi und Ausdruck ständig wechselnd.

Ein trauermarschähnliches Finale brach ein – zunächst in tiefen Akkorden des Klaviers, über dem dann eine eindringliche Melodie unisono der Streicher erklang. Der fahle Streicherklang mit Dämpfer ohne Vibrato weit weg vom Steg ließ die Zuhörer frösteln, mit düsteren letzten Akkorden des Klaviers verklang das Stück. Die sich in dieser Interpretation mitteilende melancholisch-elegische Stimmung – es wird als Selbstbekenntnis des Komponisten oder als Totenklage charakterisiert – nahm die Zuhörer so gefangen, dass es einige Momente brauchte, bis ein begeisterter Beifall laut wurde. Für die drei Werke gilt, dass deren Komponisten selbst ausgezeichnete Pianisten waren.

Im Brahms-Trio beherrschte das Klavier den leisen Beginn, bis das erste wunderschöne Thema vom Cello aufgenommen und schließlich die Geige mit einbeziehend in ein schwelgendes Miteinander mündete. Diese Entwicklung des lyrischen Themas vom zarten Einsatz des Klaviers bis zum glänzenden orchestralen Klang lässt sich schöner, stimmungsvoller, klanglich austarierter kaum spielen. Die Musiker zelebrierten in ihrer Interpretation geradezu betörend schön die sinnlichen Färbungen, mit denen Brahms diese hochromantische Komposition ausstattet. Virtuos und technisch erstklassig erklangen feinstes piccicato und staccato und wurden kraftvoll neben herrische, opulente Klänge gesetzt. Und immer wieder bestachen die Augenblicke, in denen deutlich wurde, wie eng aufeinander bezogen, wie klangschön und technisch erstklassig die Musiker spielten.

Dass Gasratov, Semenenko und Stadler nach dem aufwühlenden Schluss des Brahms-Trio eine friedlich-versöhnliche Zugabe aus ihrer Heimat spielten, optimierte eine kluge Programmatik.