Landgericht Freiburg

Mordfall Reinhold Hutter: Der Wahrheit eine dritte Chance

Franz Schmider

Von Franz Schmider

Do, 08. Juli 2010 um 09:05 Uhr

Südwest

Mord, Totschlag, fahrlässige Tötung? Das Freiburger Landgericht verhandelt erneut den Fall der getöteten Gabriele und Jacqueline Hutter aus Wehr. Es geht um Indizien, Ungereimtheiten, schlampige Ermittler und eine Wahrsagerin.

Ganz am Schluss bricht er sein Schweigen doch noch. Aber was Reinhold Hutter sagt, ist kaum zu hören. Der 53-Jährige spricht leise, den Kopf gesenkt, die Worte verschwinden schnell unter dem Tisch, der vor ihm steht. Hörbar ist nur: "Ich bin traurig und entsetzt über das, was hier behauptet wird." Diesen Satz sagt er an die Adresse des Staatsanwalts und der drei Vertreter der Nebenkläger, die ihm gegenüber sitzen. Alle vier haben gefordert, dass Reinhold Hutter für den Rest seines Lebens hinter Gittern bleiben soll. Weil er seine Frau und seine Tochter getötet haben soll.
Angeklagte haben das Recht auf das Schlusswort, und Reinhold Hutter nutzt es nach 52 vorangegangenen Verhandlungstagen für wenige Sätze. Zweimal wurde der EDV-Fachmann aus Wehr bereits verurteilt, zweimal hob der Bundesgerichtshof (BGH) den Richterspruch auf, seit April vorigen Jahres versucht eine Kammer des Landgerichts Freiburg nun der Wahrheit näher zu kommen.
Reinhold Hutter selbst hat nichts dazu beigetragen. Er hat zu Beginn der dritten Hauptverhandlung über seinen Anwalt eine Erklärung abgegeben und ansonsten geschwiegen. Auch das ist sein gutes Recht.
Schlampige Arbeit: Zwei Urteile werden kassiert
Vorgeworfen wird Reinhold Hutter, dass er im Mai 2002 seine 41-jährige Ehefrau Gabriele und seine elfjährige Tochter Jacqueline getötet haben soll. Anschließend habe er die beiden Opfer mit Klebeband zusammengeschnürt, in Decken und einen Teppich eingewickelt und die Toten in einem Wald abgelegt. Drei Tage nach der Tat meldete er Frau und Tochter bei der Polizei als vermisst. An einem Badeplatz am Rhein wird Tage später ihr Auto gefunden. Dies löst eine Suchaktion aus, eine Selbsttötung oder ein Unfall erscheinen denkbar. Als 2005 die Leichen im Wald bei Neuenweg im Kleinen Wiesental gefunden wurden, wird aus dem Vermisstenfall Hutter der Mordfall Hutter – und der Ehemann zum Verdächtigen und schließlich zum Angeklagten.
Zweimal kamen Gerichte zum Ergebnis, dass Reinhold Hutter die beiden Frauen getötet hat – aus verschiedenen Gründen wurden beide Urteile aufgehoben und erlangten nie ...

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