Tourismus

Müllheim kann jetzt per digitaler Stadtführung erkundet werden

Alexander Huber

Von Alexander Huber

Mo, 29. Juni 2020 um 16:37 Uhr

Müllheim

Die Müllheimer Touristinfo bietet eine digitale Stadtführung, mit der Gäste auf eigene Faust Geschichte und Geschichten erleben. Auch mit dabei: Adolph Blankenhorn.

Müllheim mit kundiger Begleitung entdecken, ohne dabei auf einen festen Stadtführungstermin festgelegt zu sein und in einer mehr oder minder großen Gruppe mitmarschieren zu müssen? Das geht mit der neuen digitalen Stadtführung, die der Fachbereich Tourismus im Müllheimer Rathaus gemeinsam mit der Freiburger Agentur Future History entwickelt hat. Dass das Projekt innerhalb kurzer Zeit gestemmt werden konnte, war auch der Corona-Pandemie zu verdanken.

Als die Auswirkungen von Corona klar wurden, stellte sich auch im Müllheimer Rathaus die Frage nach Kurzarbeit – vor allem in den Bereichen Kultur, Veranstaltungen und Tourismus, die innerhalb weniger Tage eine Vollbremsung hinlegen mussten. Nach kurzer Bedenkzeit entschied sich die Rathausspitze jedoch dafür, die frei gewordenen Kapazitäten zu nutzen, um Projekte anzugehen, die als Grundidee schon in der Schublade lagen – oder mit Blick auf die veränderte Gesamtsituation ganz neue Dinge zu entwickeln.

"Digital" lautet das Stichwort

Das Stichwort, das die meisten dieser Projekte verbindet, lautet "digital" und entsprechend richtete sich der Fokus vieler Rathausmitarbeiter in den vergangenen Wochen besonders in diese Richtung, wie der Beigeordnete Günter Danksin bei einem Pressegespräch zur Einführung der digitalen Stadtführung erläuterte.

Von Kurzarbeit war jedenfalls recht schnell keine Rede mehr. "Uns ist die Arbeit nicht ausgegangen", sagte Jan Merk, Leiter des Kulturdezernats, zu dem auch der Fachbereich Tourismus gehört. Eine bereits sichtbare Frucht dieser Schwerpunktverlagerung ist die digitale Stadtführung, die es per App ermöglicht, die Müllheimer Innenstadt auf eigene Faust zu erkunden.

Ein wichtiger und besonders attraktiver Bestandteil dieser virtuellen Führung ist wiederum ein anderes Projekt aus dem Kulturdezernat, das bereits seit 2003 läuft, in den vergangenen Wochen aber ebenfalls verstärkte Sorgfalt erfahren durfte: der Aufbau einer Datenbank mit historischen Fotos und Postkarten aus Müllheim und Umgebung. Mehr als 3300 Bilder wurden in dieser Sammlung bereits systematisch inventarisiert, wie Merk berichtete.

Ein großartiger Fundus, um daraus für eine digitale Anwendung zu schöpfen, die Elemente von Augmented Reality – zu deutsch soviel wie: erweiterte Realität – enthält. Ganz konkret bedeutet das in der Müllheimer Stadtführungs-App, dass der Nutzer per Fingerwisch zwischen Vergangenheit und Gegenwart switchen kann. Die historischen Szenen wurden sehr akkurat aus der gleichen Perspektive im heutigen Zustand nachfotografiert. Was hat sich verändert? Was ist von Dauer? Das lässt sich auf diese Weise sehr anschaulich erfahren.

Ein weiterer wichtiger Baustein der digitalen Stadtführung sind die umfangreichen Informationen, die jedoch nicht in Form ellenlanger Schrifttexte dargeboten werden, sondern kurzweilig als Audio-Clips zum Abhören an den jeweiligen Stationen.

Adolph Blankenhorn stellt den Gästen seine Stadt vor

Im Mittelpunkt steht eine sonore Männerstimmen, die dem berühmtesten Sohn der Stadt, Adolph Blankenhorn, zugeordnet ist. Mit Stolz und einem gewissen Pathos stellt der Professor, Begründer der modernen Weinbauwissenschaft, den Gästen seine Stadt vor. Ihm zur Seite gestellt ist eine klare, eher sachlich klingende Frauenstimme, die weitere Daten und Fakten zu verschiedenen Stationen beiträgt. Das Einsprechen der Texte durch professionelle Sprecher ist ein wichtiges Element, damit neben der Vermittlung von Informationen auch ein gewisses emotionales Moment entsteht, das derlei Stadtführungen zu einem echten Erlebnis machen kann, erklärt Sabine Lang, Leiterin des Fachbereichs Tourismus, die federführend das Projekt der digitalen Stadtführung betreut hat.

Die Strecke, über die die App die Besucher führt, ist rund 1,5 Kilometer lang und umfasst 36 Stationen in der Oberstadt. Etwa anderthalb bis zwei Stunden ist man damit unterwegs; Karte und GPS-Unterstützung erleichtern die Orientierung. Angedacht ist auch eine Tour für die Unterstadt; bei entsprechender Nachfrage wäre auch eine Übersetzung zum Beispiel auf Englisch oder Französisch denkbar, meint Sabine Lang.

Die regulären Stadtführungen mit Tourguide zu festen Terminen bleiben natürlich weiter im Angebot, sagt Lang. Digitale Elemente wie etwa die historischen Ansichten wurden aber auch hier eingebaut. Den oft sehr interessanten Austausch, der sich zwischen Stadtführern und Gästegruppen ergibt, kann eine App nicht ersetzen. Aber es ist eine interessante Ergänzung und Alternative – nicht nur, aber eben auch für Corona-Zeiten.
Die digitale Stadtführung als selbstgeführte Tour kann als App für 4,99 Euro im Apple-Store oder bei Google Play heruntergeladen werden. Weitere Infos unter www.muellheim-touristik.de