Mythos Jungfernhäutchen – ein Trugbild sitzt tief

Stephanie Streif

Von Stephanie Streif

Mo, 17. Februar 2020 um 09:18 Uhr

Liebe & Familie

BZ-Plus Über kaum ein Körperteil werden so viele Unwahrheiten verbreitet wie über das verborgene Geschlecht der Frau. Unsere Autorin ist dem Mythos auf die Spur gegangen – und hat viel gelernt.

Sprache kann hinterhältig sein. Etwa wenn sie in unseren Köpfen Bilder entstehen lässt, die an der Wirklichkeit komplett vorbeigehen. Das Jungfernhäutchen ist so ein Trugbild. Eines, das sich hartnäckig hält. Wer "Jungfernhäutchen" denkt, dem kommt sofort eine dünne Haut in den Sinn, die sich über eine noch jungfräuliche Vaginalöffnung spannt. Wie "Frischhaltefolie, die die Waren im Supermarkt versiegelt, um anzuzeigen, dass sie unberührt sind", schreibt die Kulturwissenschaftlerin Mithu M. Sanyal in ihrem Buch "Vulva". Dieses Trugbild sitzt tief. Auch bei mir war das so. Keine Ahnung, wann es sich in meine Bilderwelten eingeschlichen hatte und wie es sich dort so lange halten konnte.

"Die meisten Illustrationen des Hymen sind falsch." Jorinde Wiese Meine bisherige Vorstellung des Hymens, wie das Jungfernhäutchen wissenschaftlich heißt, kommt mir in einer Mittagspause auf einem Kongress abhanden. Ich komme beim Kaffee mit einer jungen Frau ins Gespräch. Sie habe gerade ein Buch über medizinische Mythen geschrieben, erzählt sie. Und dass einer dieser Mythen das Jungfernhäutchen sei. Ich frage nach. Und erfahre, dass das Häutchen gar kein Häutchen ist. Echt jetzt? Ich bin überrascht, auch etwas misstrauisch, schließlich ist die Frau keine Gynäkologin, sondern Studentin der Sinologie. Und Aktivistin.

Jorinde Wiese erzählt, wie sie vor anderthalb Jahren ihr Buchprojekt gestartet hat. Um die Anatomie des verborgenen weiblichen Geschlechts zu verstehen, klickte sie sich durchs Netz, wälzte ...

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