Nach dem Regen kommt das große Fressen

Michael Masson

Von Michael Masson

Di, 20. August 2019

Mahlberg

Störche versammeln sich derzeit in großen Gruppen auf den Äckern der Region.

MAHLBERG-ORSCHWEIER (mima). Zurzeit lassen sich gelegentlich große Storchenansammlungen beobachten. Voriges Wochenende versammelten sich beispielsweise rund 35 Vögel auf einem frisch gepflügten Acker am Ortsrand von Orschweier. Ungewöhnlich ist das nicht, weiß der hiesige Storchenbetreuer Wolfgang Hoffmann.

Denn die Jungstörche, auch die aus dem Emmendinger und Offenburger Landkreis, sind mittlerweile flügge und erkunden die weitere Umgebung. Ihre Geburtsnester nutzen jetzt nur noch die Elternpaare zur Übernachtung. Weil Störche mit ähnlich guten Augen wie Greifvögel ausgestattet sind, erkennen sie über mehrere Kilometer Entfernung, wenn ein Artgenosse irgendwo Futter entdeckt hat.

Wie im Orschweierer Fall lassen sich Störche dann auch mal da nieder, wo sich auch Saatkrähen in großen Schwärmen zur Jagd nach frischen Regenwürmern versammeln, die nach Regenfällen vermehrt an die Oberfläche kommen.

Ansonsten, erklärt Hoffmann, ernähren sich die Störche eher in feuchten Elzwiesen von Mäusen und Fröschen oder gehen in nahezu ausgetrockneten Bächen und Flüssen auf Fischjagd. Bleibt es trocken, lauern erfahrene Altstörche nach Katzenart schon mal regungslos vor einem Mauseloch. Und sie verschmähen auch Schlangen nicht, weiß der Storchenbetreuer.

Ende der 70er-Jahre wurden in ganz Baden-Württemberg nur noch 18 Storchenbrutpaare gezählt, mittlerweile sind es wieder deutlich mehr als tausend. Dies liegt laut Hoffmann vor allem daran, dass zum Draufsitzen verlockende Strommasten besser gesichert wurden und die Storchennester betreut und gepflegt werden. Den Rekord in der Ortenau hält Acherns Stadtteil Gamshurst. Hier leben etwa 60 Weißstörche.

Zehn Störche wurden mit Sendern ausgestattet

Inzwischen macht sich bei dem Nachwuchs der Zugtrieb nach Süden bemerkbar, auch wenn nicht mehr alle tatsächlich Richtung Afrika aufbrechen. Schon kommen nördlichere Jungstörche hier vorbei und bilden immer größere Reisegruppen. Die Eltern machen sich hingegen erst Wochen später auf den Weg gen Süden, wenn überhaupt. Manche nehmen sich ein Winterquartier hier vor Ort. Die meisten Jungstörche wurden schon in ihren Nestern beringt, daher kann Storchenbetreuer Hoffmann sie vom Boden aus mit einer Spezialkamera anhand der Ringnummern identifizieren – sogar im Flug. Kürzlich, berichtet er, wurde ein neugieriger Ortenauer Jungstorch bei Mannheim gesichtet. Er hatte sich offenbar zunächst in die falsche Richtung aufgemacht, bevor er dann wieder die übliche Süd-Richtung einschlug.

Das Storchenzentrum in Reute bei Emmendingen ist Aufzuchtstation für verletzte und aus dem Nest gefallene Störche. Dort sind zehn Tiere nun mit einem Sender ausgestattet worden. So können ihre künftigen Aufenthaltsorte per Satellitenfunk lückenlos verfolgt werden. Bei den anderen Störchen muss weiterhin die herkömmliche Beobachtungstechnik angewandt werden. Weiterhin werden die Jungstörche, wenn sie noch nicht flügge sind, mit einem nummerierten Beinring versehen, wie es Hoffmann seit 1992 in schwindelerregenden Nest-Höhen tat.

Seit einigen Jahren erledigt das nun Jürgen Vogelbacher aus Endingen in beiden Landkreisen mit Helfern und kostenloser technischer Unterstützung der Stromversorgungsunternehmen.