Katholische Kirche

Nach mehr als 200 Jahren genug gezahlt

Dieter Hennig

Von Dieter Hennig (Heitersheim)

Mo, 25. Oktober 2021

Leserbriefe

Zu: "Woelki erhält in seiner Auszeit die vollen Bezüge", Agenturbeitrag (Politik, 14. Oktober)

Viele Bürgerinnen und Bürger meinen, die Gehälter der Geistlichen, vom Priester bis zum Erzbischof, werden von der Kirche bezahlt. Weit gefehlt. Seit Februar 1803, also seit über 200 Jahren, nach Enteignung durch die Reichsdeputation, zahlt der Staat durch die Übernahme der Personalkosten für die Geistlichen eine Entschädigung und ein Ende dieser Zahlungen ist nicht absehbar. Die Gehälter für Priester sind in die Besoldungsgruppe A13/A14 (etwa 3000 bis 6000 Euro brutto) eingestuft, zusätzlich gibt es bis zu 650 Euro Wohngeld und weitere Sondervergütungen für besondere Leistungen wie Taufen, Trauungen, Bestattungen, Religionsunterricht und so weiter. Die Bischöfe und Kardinäle sind in den Besoldungsgruppen B6 bis B10 (etwa 8000 bis 14 000 Euro brutto) eingestuft. Dies alles zahlt der Staat aus Steuergeldern, also wir Steuerzahler, egal ob Mitglied einer der beiden Kirchen oder nicht, ob einer anderen Glaubensgemeinschaft angehörend oder völlig konfessionslos. Dies summiert sich auf rund 442 Millionen Euro pro Jahr, unabhängig von der Kirchensteuer. Mit diesem Geld könnte im Sozialbereich, für Menschen, die es wirklich benötigen, viel Gutes getan werden: Altersarmut, Kinderarmut, Bildung, Pflege. Nicht zu vergessen: Die Kirchen verfügen über Milliardenvermögen und werden trotzdem vom Staat, also zu unser aller Lasten, alimentiert. Wann endlich traut sich die Politik an dieses Thema heran, wann endlich müssen auch die Kirchen selbst für ihre Personalkosten aufkommen? Zeit wird es, Entschädigung ist nach mehr als 200 Jahren genug gezahlt worden.
Dieter Hennig, Heitersheim