Historischer Wahlsieg

Johannes Dieterich

Von Johannes Dieterich

Mo, 29. Juni 2020

Ausland

Lazarus Chakwera wird neuer Präsident in Malawi.

. Hätte sich ein Fremder am Samstagabend auf Lilongwes Straßen verirrt, was wegen der Corona-Pandemie ausgeschlossen ist, hätte er den Eindruck gewinnen müssen, dass Malawi soeben Fußballweltmeister geworden ist. Fähnchen schwingende Menschen, die sich freudetrunken in die Arme fielen; hupende Autos, aus deren Fenstern sich frenetisch winkende Passagiere beugten; Feuerwerk, das den Himmel der malawischen Hauptstadt aufleuchten ließ. Die sozialen Netzwerker übten sich in Pathos: "Ich bin geehrt, eine Malawierin zu sein", postet eine gewisse Captain Melo. "I am deep in my feels", schreibt eine sich Happy New Malawi nennende Twitterin. "Afrika wird noch zu unseren Lebzeiten großartig sein", ist Muzungu Hirwa überzeugt. Der Anlass des Überschwangs: Chifudo Kachale, Vorsitzender der Wahlkommission, hat die Ergebnisse der Präsidentenwahl bekannt gegeben. Und die hat ausnahmsweise nicht der Amtsinhaber, sondern sein Herausforderer gewonnen.

Vor 13 Monaten war das Ergebnis noch umgekehrt ausgefallen: Damals hatte Präsident Peter Mutharika seinem Herausforderer Lazarus Chakwera noch knapp den Rang abgelaufen. Das Verfassungsgericht hatte den damaligen Urnengang jedoch für ungültig erklärt, unter anderem, weil zahlreiche Wahlzettel mit Tipp-Ex "korrigiert" worden waren. Diesmal kam die von Chakwera angeführte "Tonse-Allianz" auf fast 60 Prozent der Stimmen, während sich Mutharika mit knapp 40 Prozent zufriedengeben musste.

Es ist das zweite Mal in Afrikas Geschichte, dass Richter eine Wahl für ungültig erklärten. Und das erste Mal, dass bei der Wiederholung der Abstimmung die Gegenseite gewann. Die Vorgänge werden als Sieg der Zivilgesellschaft, der Gewaltenteilung und Demokratie gewertet. Das ganze Jahr über waren Tausende Malawier auf die Straße gegangen, mehr als 200 von ihnen landeten im Gefängnis. Unterdessen zeigten die Richter sowohl Rückgrat als auch Durchhaltevermögen. Schließlich blieb Mutharika nichts anderes übrig, als noch am Samstagabend seine Niederlage einzuräumen und seine Residenz zu verlassen. Nicht ohne seinen Widerwillen gegen den Vorgang zu Protokoll zu geben. "Der schlechteste Urnengang in der Geschichte Malawis", sagte er. Dagegen sprachen die einheimischen Wahlbeobachter von einer "freien und fairen" Abstimmung.

Mutharika muss zugutegehalten werden, dass er sein Land nicht mit sich ins Verderben riss. Beobachter loben, dass sich das Militär vorbildlich aus dem Konflikt zurückgehalten habe: Die Generäle hätten Mutharika wissen lassen, dass sie für einen Putsch nicht zu haben sind.

Lazarus Chakwera, der einst in Südafrika und den USA Theologie studierte und als Pfarrer einer Pfingstkirche tätig war, versprach seinen Landsleuten, aus dem drittärmsten Staat der Welt ein Land mit mittlerem Einkommen zu machen: Dafür sollen eine Million Arbeitsplätze geschaffen und der Korruption der Kampf angesagt werden. In seinem Unterfangen wird Chakwera auf jede Unterstützung angewiesen sein. "Thank you, my Lord Jesus", twitterte er nach seinem Wahlsieg.