Öffentliche Sicherheit

Nizza setzt als erste Stadt Europas umstrittene Gesichtserkennung auf Straßen ein

Stefan Brändle

Von Stefan Brändle

Fr, 17. Januar 2020 um 16:17 Uhr

Ausland

BZ-Plus 2600 Kameras filmen das Geschehen auf den Straßen und in der Tram: Im südfranzösischen Nizza wollen die Behörden so die Sicherheit erhöhen. Kritiker werfen ihnen fehlende Transparenz vor.

Verloren irrt das kleine Mädchen durch die Menschenmenge. Obwohl es in der sinkenden Wintersonne der Côte d’Azur einen Riesenschatten wirft, nimmt niemand Kenntnis von ihm. Eine Kamera schon. Knapp zwei Kilometer weiter vermeldet der Stadtpolizist vor seinem Kontrollschirm trocken: "Die gesuchte Person ist lokalisiert."   Experiment gelungen: Aus 5000 Karnevalsbesuchern spürte das Zentrum für städtische Überwachung (CSU) im Februar das gesuchte Mädchen im Nu auf. "Es war in Wahrheit meine eigene Tochter, die sich für den Versuch zur Verfügung gestellt hatte", schmunzelt Sandra Bertin von der CSU-Leitung. "Dank der digitalen Gesichtserkennung dauerte es nur ein paar Minuten, bis wir sie mit Hilfe eines lapidaren Passfotos gefunden hatten."

Auch andere Freiwillige wurden dank teilweise zehn Jahre alter Fotos aus der Menge gefischt. Die Polizeivizechefin ist ganz eingenommen von der Gesichtserkennungssoftware der israelischen Firma Any Vision: "Stellen Sie sich vor, wie nützlich es ist, in Echtzeit Kleinkinder oder Alzheimer-Patienten, aber auch Verbrecher oder Terroristen aufzuspüren."

"Wir sind doch nicht in China! Wir wollen die Bürger nicht überwachen, wir wollen nur die Kriminalität bekämpfen." Sandra Bertin Das Wort "Terroristen" hat in Nizza mit seinen 340.000 Einwohnern einen besonderen Klang: An der Promenade des Anglais fuhr ein Attentäter 2016 mit einem Laster 84 Festbesucher zu Tode. Heute finden sich keine Spuren mehr von dem schrecklichen Ereignis entlang des berühmten Kiesstrandes. Oder doch: Die Flaniermeile wird nun gesäumt von hübschen Lauben mit seltsam breiten Betonfüßen. Ebenso wuchtige Pflöcke versperren die Zufahrt. Sie lassen sich aus dem ...

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