Release-Party

Die Freiburger Band "Between Owls" veröffentlicht ihr Debütalbum "Wellness"

Carmelo Policicchio

Von Carmelo Policicchio

So, 27. Januar 2019 um 00:00 Uhr

Rock & Pop

Der Sonntag "Musik, die deinen Eltern gefällt", stand einst auf einem Flyer von Between Owls. Das war keine Warnung vor altbackener Musik - sondern ein Hinweis, dass Rock’n’Roll ewig jung sein kann. Nun veröffentlicht die Band ihr erstes Album.

Der Punk hat schon länger die Schallmauer des 40. Geburtstags durchbrochen. Aber er wird trotzdem 2019 noch als Referenz für junge Bands herbeigezogen. Auch bei Between Owls war er der gemeinsame musikalische Nenner. Da sind sich Sängerin und Gitarristin Maggie, Marc, der auch singt und Gitarre spielt, sowie Bassist Addy einig. Zur Band gehört noch Drummer Daniel, der zum Treffen mit der Zeitung nicht kommen konnte. "Nachnamen lassen wir bitte weg", sagt die Band unisono. Kein Problem, entspringt der Wunsch doch nicht irgendwelcher Arroganz. So viel Pop-Appeal muss einfach sein.

C86-Sound und Schrammel-Pop

Mit "Wellness" wird am Freitag der erste offizielle Longplayer der seit 2014 existierenden Band veröffentlicht. Er ist mehr als gut gelungen. Zwölf Songs, die sich stark auf Musik der 80er-Jahre beziehen. Präziser gesagt, auf den Musikstil, der im Nachgang eines 1986 von der englischen Fachzeitschrift New Musical Express herausgebrachten Samplers unter dem Namen C86-Sound zum Genrebegriff wurde.

"Diesen Begriff musste ich erst einmal googeln, als mir jemand sagte, wir klingen wie diese Musik", erzählt Marc. Erstaunlich genug, angesichts der Tatsache, dass Between Owls teilweise ihre Gitarren genauso klingen lassen wie die Protagonisten der damaligen Szene. Das Eröffnungsstück von "Wellness", der Song "Timeless Place", erinnert gar an die ungekrönten Meister des Schrammel-Pop und der schönen Harmonien: die unsterblichen Go-Betweens.

Auch "Backpack" und das Gitarrenspiel bei "Over the Falls" und "Seaside" gehören in diese Kategorie. Sie könnten auch von den Feelies, den anderen Großmeistern dieses Genres aus New York, stammen. Da wirkt es dann schon charmant, dass die drei Bandmitglieder bei der Auflistung solcher Vergleiche eher belustigt mit den Schultern zucken: "Nie gehört, diese Bands".

"Wir wollen die Jugend noch nicht loslassen, wissen aber schon, wie alt wir sind."


Die Songwriter der Gruppe sind Maggie und Marc , die sich seit vielen Jahren kennen und die Band gegründet haben. Mit ein paar Kniffen haben sie den Songs zusätzliche Raffinesse verpasst. Wie etwa bei der Struktur und dem Einsatz der Stimme. Mal singt Maggie, dann hört man Marc im Hintergrund dagegen, oder begleitend mitsingen, mal funktioniert es umgekehrt. Fast wie in klassischen "Call and Response"-Songs, nur dass hier kein Chor auf den Gesang antwortet, sondern eine einzelne Stimme. Natürlich auch wieder so ein Retro-Ding, im Indiepop in der Form beispielsweise gerne und toll The B-52s praktiziert.

Hedonismus, Albernheit und die Lebens- und Liebesweisheit der Jugend

Neben dem Schrammel-Pop katapultieren Between Owls auch die Neue Deutsche Welle der frühen 80er Jahre ins Jahr 2019. In "Keine Diebe" hetzt und kiekst sich Maggie durch das Stück, wie einst Annette Humpe mit Ideal durch Berlin und den gleichnamigen Song. "Pommes" ist ähnlich gut, atemlos und schnell.

Englischsprachige, leicht melancholische Songs treffen auf deutsche Texte zwischen Hedonismus, Albernheit und der Lebens- und Liebesweisheit der Jugend. Beißt sich das? "Nee, wir spielen über das, was wir im Leben erleben. Die Songs sind alle gitarrenlastig und haben im weitesten Sinn Rock’n’Roll-Strukturen. Von daher passt es", meint Marc. Und zum Ende sagt Maggie noch den schönen Satz: "Wir wollen die Jugend noch nicht loslassen, wissen aber schon, wie alt wir sind."

Da bleibt nur, "Psst!" zu sagen und "verraten wir natürlich nicht, das Alter". Und den Jungs, Mädchen (und Erwachsenen) zu raten: "Kauft euch diese Platte, denn wahrscheinlich haben eure Eltern nicht viele Bessere im Plattenschrank stehen. Zumindest keine aus Freiburg."
"Wellness" von Between Owls erscheint am 1.Februar.
CD-Release-Party: Freitag, 1. Februar, 21 Uhr, Slow Club, Haslacher Straße 25, Freiburg.