Berufsschulen

Handwerkskammer und IHK Freiburg sehen Nachholbedarf in Sachen Digitalisierung

Barbara Schmidt

Von Barbara Schmidt

Di, 12. November 2019

Wirtschaft

Von einer Konjunkturkrise wollte bei der Ausbildungsmarkt-Pressekonferenz in Freiburg am Montag niemand reden. „Für das Handwerk sehe ich keine Krise, auch nicht in absehbarer Zeit“, betonte Johannes Ullrich.

FREIBURG. Der Präsident der Handwerkskammer Freiburg war sich mit seinem Kollegen von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südlicher Oberrhein, Steffen Auer, einig: Eine viel größere Herausforderung als die schwächelnde Konjunktur sei für die Unternehmen die Digitalisierung.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) kritisiert in seinem diesjährigen Ausbildungsreport, dass es für eine ausreichende Vorbereitung der Lehrlinge in vielen Berufsschulen an der erforderlichen Technik und an qualifizierten Lehrkräften mangele. "Das stimmt", bestätigte Ullrich, "an den Berufsschulen gibt es viele Baustellen". Sie zu beheben, dauere allerdings seine Zeit. Das baden-württembergische Kultusministerium habe das Problem erkannt, doch es sei eine große Herausforderung, alle Schulen entsprechend auszustatten und Lehrkräfte zu qualifizieren, zumal Lehrermangel herrsche. "Manchmal dauert es ja schon zehn Jahre, einen Bildungsplan anzupassen. Das ist mit Blick auf die Digitalisierung natürlich viel zu lang", bedauerte Ullrich.

Für die Metall- und Elektroberufe sind die Bildungspläne laut Auer "überraschend schnell" an die neuen Anforderungen durch die Digitalisierung angepasst worden. "Wir sind auf dem richtigen Weg, doch es wird Zeit brauchen", meinte der IHK-Präsident. Rund 330 Berufe werden in Deutschland in der dualen Ausbildung gelehrt. Der Auszubildende lernt dabei im Betrieb und an der Berufsschule.

Auer sieht die Digitalisierung als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Die Politik müsse die passenden Rahmenbedingungen schaffen, etwa durch einen flächendeckenden Ausbau des schnellen Internets und des neuen Mobilfunkstandards 5 G. Aber auch die Unternehmen müssten rechtzeitig investieren. "Die Umstellung braucht Zeit und kostet Geld. Damit müssen die Betriebe jetzt beginnen", betonte Auer.

Auf die konjunkturelle Entwicklung angesprochen, winkten sowohl Auer als auch Ullrich ab. Das Handwerk stehe gut da, in der Industrie würden Überkapazitäten abgebaut. "Der Rückgang wird nicht so stark sein wie 2008, in der Industrie könnte er allerdings länger anhalten", sagte Auer. Doch die südbadische Wirtschaft sei sehr breit aufgestellt; "es gibt Branchen, wie die Gastronomie oder den Handel, die laufen super". Vielleicht bekämen solche Branchen, in denen Fachkräfte und Auszubildende bisher knapp sind, bald neuen Zulauf.

Im Bezirk der Arbeitsagentur Freiburg erkundigen sich mittlerweile mehr Betriebe nach Kurzarbeit. Die Zahl der Kurzarbeitenden nehme ebenfalls zu, sagte Arbeitsagentur-Chef Christian Ramm, "doch in der Krise 2008/2009 waren es mehr als zehnmal so viel". Auch sein Offenburger Kollege Horst Sahrbacher sah einen anhaltend hohen Bedarf an Arbeitskräften – schon aus demografischen Gründen. So werden laut Sahrbacher allein in der Ortenau von den derzeit 184 000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in zehn Jahren knapp 40 000 altersbedingt ausscheiden. Davon seien zwei Drittel Facharbeiter.