IG Metall verzichtet auf Lohnforderung

dpa

Von dpa

Sa, 25. Januar 2020

Wirtschaft

Gewerkschaft will Arbeitsplätze sichern und mit Arbeitgebern über "Zukunftspaket" verhandeln.

FRANKFURT (dpa). Deutschlands mit 2,26 Millionen Mitgliedern größte Gewerkschaft will in der anstehenden Tarifrunde für die deutsche Metall- und Elektroindustrie zunächst auf eine konkrete Lohnforderung verzichten. Stattdessen forderte der Vorsitzende der Industriegewerkschaft (IG) Metall, Jörg Hofmann, die Arbeitgeber am Freitag zu Verhandlungen über ein "Zukunftspaket" für die rund vier Millionen Beschäftigten auf.

Die Unternehmen sollen sich bereit erklären, auf einen Arbeitsplatzabbau und Produktionsverlagerungen zu verzichten. Bis 3. Februar sollen die Arbeitgeber erklären, ob sie an Verhandlungen über Kündigungsverzicht, künftige Investitionen, Kurzarbeit und Qualifizierungen teilnehmen. Ziel ist laut Hofmann eine Einigung vor dem Ende der Friedenspflicht am 28. April. Sollten die Arbeitgeber zu diesem "Moratorium für einen fairen Wandel" nicht bereit sein, werde die IG Metall doch noch eine Lohnforderung aufstellen und eine "konfliktäre" Tarifrunde starten, kündigte er an. Nach Vorstellungen der Gewerkschaft sollte jedes Unternehmen im digitalen und ökologischen Wandel konkrete Pläne für die Zukunft entwickeln. Rund die Hälfte der Betriebe habe dazu noch keine oder keine ausreichende Strategie, kritisierte Hofmann. Die IG Metall verlange daher Verhandlungsbereitschaft zu betrieblichen Zukunftsverträgen mit konkreten Investitions- und Beschäftigungsperspektiven.

Mit den Arbeitgeberverbänden wolle man den "Werkzeugkasten" zur Krisenbewältigung erweitern, sagte Hofmann. Die Gewerkschaft verlangt mehr Altersteilzeit, mehr Rechte zur Weiterbildung und eine möglichst einkommensneutrale Verringerung des Arbeitsvolumens, wenn die Auslastung sinkt. Statt Stellenstreichungen oder Produktionsverlagerungen sollen kürzere Arbeitszeiten, Kurzarbeit und Weiterbildung greifen. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall reagierte positiv auf den Vorschlag. "Wir begrüßen, dass die IG Metall den Ernst der Lage anerkennt", hieß es beim Verband in Berlin. Jedes Unternehmen prüfe bereits, ob Produkte, Produktion, Geschäftsmodelle und Wertschöpfungsketten noch passten. "Welche Voraussetzungen notwendig sind, den Strukturwandel anzugehen, und wie wir als Sozialpartner unseren Beitrag dazu leisten können, muss auch aus unserer Sicht im Mittelpunkt der Tarifrunde stehen."

Trotzdem sollen die Löhne der Beschäftigten zumindest leicht steigen: Hofmann betonte, die Kaufkraft der Beschäftigten müsse gestärkt werden. Das würde einen Abschluss oberhalb der Inflation bedeuten. Ein Ende der Entgelterhöhungen werde es mit der IG Metall nicht geben, sagte der Gewerkschafter. Erste Tarifverhandlungen sollen auf regionaler Ebene im März beginnen. Die bestehenden Tarifverträge laufen zum 31. März aus, ab dem 29. April sind Warnstreiks möglich.