Rohstoff Wald

Kahlschlag im Märchenwald: Russlands grüne Lunge ist in Gefahr

Stefan Scholl

Von Stefan Scholl

Fr, 04. Januar 2019 um 18:42 Uhr

Wirtschaft

BZ-Plus Russlands Waldflächen drohen zu verkommen, weil korrupte Beamte und Unternehmer sie als reine Rohstoffreserve betrachten.

Unter den Gummistiefeln knirschen Neuschnee und Eispfützen. Die Schneise ist mal 150 Meter, mal einen halben Kilometer breit. Vereinzelt ragen noch kahle Birkenstämme oder zerrupfte Fichten in den grauen Himmel. Die Stümpfe der gefällten Bäume enden oft in Brusthöhe, dazwischen liegen zermalmtes Buschwerk, Stangenholz, ein Wurzelteller. Bombjoschka – auf Deutsch Bombenangriff – heißen solche Kahlschläge jetzt auf Russisch. Es ist ein Bombjoschka nordwestlich des Dorfs Bornjaki in der Region Smolensk.

Russland ist hölzerne Unendlichkeit. Die Wälder bedecken 800 Millionen Hektar, 45 Prozent der Landesfläche. Ein Hektar sind 10.000 Quadratmeter. Das Riesenland verfügt über ein Fünftel der Weltholzreserven. Die Russen lieben eigentlich ihren Wald. "Er bedeutet mir mehr als die eigenen vier Wände", sagt eine Dorfbewohnerin in Sibirien. Mancher Forstpatriot will sogar vom Rest der Welt Steuern für die knapp 1,3 Milliarden Tonnen Sauerstoff, die Russlands grüne Lunge jährlich produziert. Und für die 600 Millionen Tonnen Kohlenstoff, die sie dabei schluckt.

"Was ein Mann wert ist, zeigt der Krieg oder die Taiga" Russischer Volksmund Wie im deutschen leben auch im russischen Märchenwald Hexen, in Häusern auf Hühnerbeinen. Und die Russen haben noch Grund, sich im Wald zu fürchten. Er bedeutet echte Wildnis, verirrte oder von Bären getötete Pilzesucher gehören zur Unfallstatistik jedes Herbsts. "Was ein Mann wert ist, zeigt der Krieg oder die Taiga", ...

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