Kritik an Supermarktketten

Hanna Gersmann

Von Hanna Gersmann

Di, 30. Juni 2020

Wirtschaft

Oxfam: Unternehmen tun zu wenig gegen Ausbeutung bei Lieferanten / Edeka wehrt sich dagegen.

. Deutsche Supermarktketten achten laut einer Untersuchung zu wenig auf die Arbeitsbedingungen bei der Entstehung ihrer Produkte. Auch im internationalen Vergleich schnitten Lidl, Aldi, Rewe und Edeka schlecht ab, erklärte die entwicklungspolitische Organisation Oxfam.

"Die Supermärkte kümmern sich etwas mehr um ihre Leute, aber längst nicht gut genug", kritisiert Oxfam-Expertin Franziska Humbert. Alle voran drücke Edeka sich vor seiner Verantwortung. Sie fordert die Bundesregierung auf, per Gesetz "endlich gegenzusteuern". Oxfam hat die Geschäftspolitik von 16 der größten Supermärkte in Deutschland, in den USA, Großbritannien und in den Niederlanden analysiert – wie in den vergangenen drei Jahren auch schon. Webseiten der Unternehmen wurden durchforstet und öffentlich zugängliche Quellen ausgewertet. Entscheidende Fragen waren: Suchen die Manager in Deutschland ihre Bananenlieferanten in Süd- und Zentralamerika nur danach aus, wie niedrig ihr Preis ist? Oder schließen sie solche aus, die ihren Pflückern einen Hungerlohn zahlen, sie ohne Schutz mit Spritzmitteln hantieren lassen und ihnen keine vernünftigen Arbeitsbedingungen garantieren? Fördern sie kleine bäuerliche Betriebe und schützen sie Frauen vor Diskriminierungen, und das auch in Deutschland?

2020 habe Lidl laut Oxfam einen Sprung nach vorne gemacht – und statt wie im vergangenen nur neun jetzt 32 Prozent der Gesamtpunktzahl geholt. Aldi Süd und Rewe haben einiges verbessert und 25 Prozent erreicht. Aldi Nord kommt auf 18 Prozent. Edeka landet mit mageren 3 Prozent auf dem letzten Platz, auch international. Edeka erklärte gegenüber der BZ, dass es sich beim Supermarktcheck "nicht um eine objektive Studie handele", weil nur die Außendarstellung und nicht das "wirkliche Engagement" bewertet werde. Man nähme die Einhaltung der Menschenrechte "sehr ernst". So importiere Edeka etwa die Hälfte der in Deutschland verkauften Fair-Trade-Rosen und arbeite auch mit dem Umweltverband WWF zusammen.

Oxfam kritisiert in der Untersuchung die Dachmarke Edeka, also den genossenschaftlich organisierten Verbund. Die meisten Edeka-Läden in Südbaden werden entweder von Edeka-Südwest in Offenburg, der zweitgrößten Regionalgesellschaft im Verbund, oder von selbstständigen Kaufleuten betrieben, die ihr Sortiment teils individuell gestalten.

Humbert verteidigt die Analyse: "Edeka hat anders als seine Konkurrenten im Januar dieses Jahres eine Vereinbarung, in den globalen Lieferketten für existenzsichernde Löhne zu sorgen, nicht unterschrieben. Einen Menschenrechtsbeauftragten hat Edeka auch nicht."

Das Problem: "Im deutschen Lebensmitteleinzelhandel", so der Supermarktcheck, "halten die Schwarzgruppe (Lidl und Kaufland), Aldi, Rewe und Edeka 85 Prozent der Marktanteile." Die Konzerne hätten laut Oxfam die Macht, ihren Lieferanten Preise und Konditionen zum eigenen Vorteil zu diktieren.